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Eine sachliche Romanze
Sprecher Als sie einander acht Jahre kanntenund man darf sagen: sie kannten sich gut,kam ihre Liebe plötzlich abhanden.Wie andern Leuten ein Stock oder Hut
Autorin: Das Ende einer Liebe. Mit wenigen Zeilen fängt Erich Kästner es ein: Die Liebe ist gestorben. Die alten Schwüre - sie halten nicht mehr. Die Rituale des Paares laufen ins Leere. Sprachlos bleiben die beiden zurück.
Sprecher: Sie waren traurig, betrugen sich heiter, versuchten Küsse, als ob nichts sei, und sahen sich an und wussten nicht weiter. Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Autorin: Eine sachliche Romanze. Mit einem Widerspruch überschreibt Erich Kästner augenzwinkernd diese Trennungsgeschichte. Seit wann kann eine Romanze sachlich sein?
Kästner erlaubt sich einen distanzierten und kühlen Blick auf das Paar. Eine hohe Kunst, eine Trennung so sachlich zu beschreiben. Das gelingt wohl nur dem unbeteiligten Dritten. Trennung, Scheidung - das stürzt in Wechselbäder der Gefühle. Ob sie nun Liliana und Lothar (Matthäus) heißen oder Sandra (Bullock) und Jesse (James). Sich trennen tut weh.
Das Ende einer Liebe zwingt aber auch die Menschen in der nächsten Umgebung zum Handeln. Wie verhalte ich mich? fragen sich Eltern, Geschwister, Freunde, Nachbarn. Wenn die Liebe zweier Menschen zerbricht, da werden auch sie gefordert, Position zu beziehen. Unbeteiligte Dritte scheint es dann eben nicht mehr zu geben. Ganz schnell neigt man dazu, einseitig Partei zu ergreifen.
Wie oft ist mir das bei guten Freunden so gegangen. Auf der Hochzeit getanzt und nach fünf Jahren Katzenjammer. Alles am Ende. Getrennte Wohnungen, getrennte Leben. Unversehens wollen mich beide einspannen. Wachen eifersüchtig darauf, wer mehr Aufmerksamkeit und Zustimmung von mir erhält.
Beide wollen von mir wissen: Wer hat Recht, wer verhält sich falsch. Urteile, Bestätigung werden verlangt. Schuldzuweisungen erwartet. Das gute alte Sündenbockspiel ist beliebt. Zu Beginn einer Liebe wie auch bei ihrem Ende/Scheitern schlagen die Gefühle Kapriolen.
Es ist schwer einen kühlen Kopf zu behalten, wenn sich nahestehende Menschen trennen. Besonders die erste Zeit der Trennung ist äußerst problematisch. Es ist schwer, als Freundin distanziert und kühl zu bleiben. Aber gerade diese Gratwanderung muss ich wagen, wenn ich beiden Partnern helfen will. Ihre Verletzungen, ihre Zweifel und ihre Streitpunkte brauchen den kritischen Blick von außen. Sie brauchen eine unparteiische Sicht, die beide wertschätzt. Eine Haltung, die nicht nur den Sündenbock mit durchs Dorf treibt. So schwer es fällt, wenn ich abstempele, mithetze, mitbeschuldige, tue ich das Falsche.
Beistehen und trösten, ja! Aber Steine werfen, nein! Zu Jesu Zeiten trieben die scheinbar unbeteiligten Dritten eine Ehebrecherin durchs Dorf. Den Eltern, Nachbarn, Freunden war der distanzierte, kühle Blick abhanden gekommen. Sie verdammten, sie verurteilten. Jeder wollte mittun. Die Ehebrecherin war schuldig. Nun sollte sie dafür mit dem Leben bezahlen.
Ein sachliches Wort hat sie davor bewahrt. Wer von euch ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein? sagt Jesus. Solchen Rückfragen verdanken Menschen ihr Leben.
Eine sachliche Romanze
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