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Wir haben Gottes Spuren festgestellt (eg 648)
Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Eine gängige Redensart, wenn etwas Überraschendes passiert.
Die Ehefrau lobt ihren Gatten augenzwinkernd, wenn er ausnahmsweise die Socken auf rechts in die Wäsche wirft. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Dieser Satz ist eine der Alltagsfloskeln, die wir immer mal wieder salopp benutzen oder hören. Ursprünglich aber meinte das Wortpaar Zeichen und Wunder gewaltige Ereignisse aus biblischer Zeit. Mit ihnen greift Gott selbst in den Ablauf der Natur oder in das persönliche Schicksal von Menschen ein.
Choral 1: (1. Strophe): Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Refrain: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
Autorin: Diesen Choral verdanken wir einem Dominikanerpriester aus dem Ruhrgebiet. Diethard Zils hat dieses sogenannte neue geistliche Lied 1981 aus dem Französischen übersetzt. Die Musik komponierte Jo Akepsimas. Der gebürtige Grieche siedelte erst im Alter von 18 Jahren nach Frankreich über. Dort studierte er Philosophie, Literaturwissenschaften und Musik. Seit seinem 28. Lebensjahr widmet er sich ganz der gottesdienstlichen Musik und der Liturgie. Die Verbundenheit zu seiner griechischen Heimat zeigt sich auch in seinem Choral. Er selbst bezeichnet die Musik als: Eine sehr einfache Melodie im griechischen Folklore-Stil, mit einem Teil in Moll und einem Refrain in Dur. (Völker)
Choral 2: (1. Strophe französisch): Nous avons vu les pas de notre Dieu croiser les pas des hommes, nous avons vu brûler comme un grand feu pour la joie de tous les pauvres. Reviendra-t-il marcher sur nos chemins, changer nos curs de pierre? Reviendra-t-il semer au creux des mains. L'amour et la lumière?
Sprecher: Wird er zurückkehren und wieder auf unseren Wegen gehen und unsere Herzen aus Stein verändern? Wird er zurückkehren, um Liebe und Licht in unsere leeren Hände zu säen?
Autorin: Den französischen Text Nous avons vu les pas de notre Dieu dichtete ein Freund des Komponisten: der Priester Michel Scouarnec. Er will mit seinen Worten an die großen Heils- und Befreiungszeichen Christi in den Evangelien erinnern. Er will Jesu Zeichen und Wunder wachrufen:
Sprecher: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt. (Mt 11,5)
Autorin: Die großen Heils- und Befreiungszeichen Christi sind im französischen Text: Blumen der Zärtlichkeit, die in der Wüste blühen; Unglückliche, die am Tag des Festes tanzen; Reiche, die mit leeren Händen weggehen; Hungrige, die sich am Brot der Welt satt essen und die Arme Gottes, die sich für den verlorenen Sohn öffnen.
Choral 3: (2. Strophe französisch ): Nous avons vu fleurir dans nos deserts les fleurs de la tendresse, Nous avons vu briller sur l'univers l'aube d'une paix nouvelle. Reviendra-t-il marcher sur nos chemins, changer nos curs de pierre? Reviendra-t-il semer au creux des mains. L'amour et la lumière?
Sprecher: Wir haben die Blumen der Zärtlichkeit in unseren Wüsten blühen sehen. Wir haben die Morgendämmerung eines neuen Friedens in der Welt glänzen sehen. Wird er zurückkehren und wieder auf unseren Wegen gehen und unsere Herzen aus Stein verändern? Wird er zurückkehren, um Liebe und Licht in unsere leeren Hände zu säen?
Autorin: Es sind anmutige Worte und zarte Bilder, die Michel Scouarnec benutzt. Sie wecken große Hoffnung und starke Sehnsucht in mir. Da schreibt einer, der weiß, dass unser Leben von Durststrecken und Unfrieden durchsetzt ist. Doch gleichzeitig glaubt er kraftvoll, dass Gott mehr für uns vorgesehen hat als Elend und Leid. Und das nicht erst irgendwann einmal in ferner Zukunft. Jetzt, hier und heute. Immer wieder können wir Gottes Spuren sehen. Das glaubt auch Diethard Zils auch wenn seine Übersetzung nicht mehr ganz so bildreich ist wie das französische Original. Er fasst die sechs Strophen in nur drei deutsche zusammen. Dabei bleibt er teilweise recht nah an dem französischen Original, teilweise bringt er ganz andere, auch alttestamentliche Zeichen und Wunder mit in den Text ein. Wie die Sklaven, die durch das Wasser gehen und an den Auszug Israels aus Ägypten erinnern.
Choral 1: (2. Strophe): Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet, Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet. Refrain: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
Autorin: Dieter Zils verändert aber noch an einer anderen Stelle das französische Original. Dort besteht der Refrain aus einzelnen Fragen, die sich um die Rückkehr Jesu drehen.
Choral 2: (1. Strophe französisch) Reviendra-t-il marcher sur nos chemins, changer nos curs de pierre? Reviendra-t-il semer au creux des mains. L'amour et la lumière?
Sprecher: Wird er zurückkehren und wieder auf unseren Wegen gehen und unsere Herzen aus Stein verändern? Wird er zurückkehren um Liebe und Licht in unsere leeren Hände zu säen?
Autorin: Die glaubenden und hoffenden Fragen des französischen Refrains ändert Diethard Zils im Deutschen in eine Glaubensfeststellung in ein klares Bekenntnis:
Choral 1: (Refrain): Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
Autorin: Gott wird uns durch das Leben tragen. Wie ein Kind auf dem Arm seines liebevollen, starken Vaters gehalten und getragen wird, ja das wünsche ich mir manchmal auch heute noch. Meinen Kopf müde und traurig an Gottes Schulter legen zu dürfen, vielleicht sogar tief schluchzend; einmal wieder ausruhen zu dürfen, keine Verantwortung mehr zu tragen. Ich vertraue darauf, dass ich auf diese Weise von Gott getragen bin in meinem Leben auch wenn ich das nicht immer so deutlich spüren kann. Und darum erfreue ich mich an diesem Leben voller Zeichen und Wunder Gottes den große und den kleinen. Und singe freudig und hoffnungsfroh mit:
Choral 1: (3. Strophe): Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. Refrain: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
Autorin: Ich freue mich von Gott getragen zu sein, und ich freue mich daran, mitwirken zu können, dass Gottes Spuren sichtbar werden in unserem Leben. Immer dort, wo es mir gelingt, mich für die einzusetzen, die Gottes Liebe und Nähe am dringendsten benötigen: Die Armen und Entrechteten, die Trauernden und die Kranken, die Gefangenen und die Heimatlosen. Ich freue mich auf die Zeit, wenn es nicht mehr nur um Spuren Gottes in unserem Leben geht, sondern wir bei Gott wohnen werden so wie der Prophet Jesaja es uns verspricht:
Sprecher: Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. (Jesaja 35, 3-6) Denn siehe, (spricht Gott:) ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. (Jesaja 65, 17a)
Choral 1: (Refrain): Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
Musikinformationen: CD-Titel 1: Mit allen Sinnen erleben. Gemeindelied neu mit der Hochschule für Kirchenmusik Herford Track-Nr. + Titel: Track 1; Wir haben Gottes Spuren festgestellt Text von Dichter: Michel Scouarnec Dt. Text von Dichter: Diethard Zils Komponist: Jo Akepsimas Chor: Chor und Bläser der Hochschule für Kirchenmusik Herfold unter der Leitung von: Hildebrand Haake
CD-Titel 2: Jo Akepsimas chants liturgiques Anthologie 2 Track-Nr. + Titel: Track 7; Nous avons vu CD-Verlag und Ort: ADG-Studio SM, Varades Text von Dichter: Michel Scouarnec Komponist: Jo Akepsimas Chor: nicht genannt unter der Leitung von: Jo Akepsimas
CD-Titel 3: Les plu célèbres chantes d´église par l´Ensemble Vocal l´Alliance Track-Nr. + Titel: Track 6; Nu avons vu CD-Verlag und Ort: Ateliers du fresne, Varades Text von Dichter: Michel Scouarnec Komponist: Jo Akepsimas Chor: L´Ensemble Vocal l´Alliance unter der Leitung von: Jo Akepsimas
Aufsätze: Alexander Völker: Evokation des Heils. Bemerkungen zu einem zeitgenössischen Lied. In: MuK 64 (1994), S. 226-230.
Wir haben Gottes Spuren festgestellt (eg 648)
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