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Entschuldigung bitte
Schon seit längerem habe ich den Eindruck, dass die Menschen einander immer weniger um Entschuldigung bitten:
Kürzlich ist unser Hund völlig überraschend von zwei anderen Hunden angefallen worden. Er hat einige tiefe Bisswunden davon getragen. Anstatt dass sich der andere Hundebesitzer bei uns entschuldigt, sagte er nur lapidar: Ihr Hund hätte ja zurückbeißen können. Schade, mir war nicht nach Schuldzuweisungen, aber ein Wort des Bedauerns hätte mir gut getan. Ein anderes Mal muss ich bei unserem Internetanbieter anrufen, da wir keinen Zugang mehr ins Internet haben. Das liegt an ihrem Endgerät heißt es dort. Hmmh, das müssen wir wohl erst einmal glauben. Dennoch stellt sich später heraus, dass der Fehler doch beim Anbieter lag. In einem weiteren Gespräch mit der Hotline, in dem wir dies richtig stellen wollen, sagt der Herr am anderen Ende der Telefonleitung nur: Ich habe ihnen das ja nicht gesagt. Ich weiß nicht, was mein Kollege ihnen da erzählt hat. Ich finde hier auch nichts in meine Unterlagen. Sie können mir ja alles erzählen. Schade, es ging mir auch hier nicht um Schuldzuweisungen; es muss auch niemand vor mir auf Knien rutschen. Aber so ein Satz wie: Das tut mir leid, dass uns dort ein Fehler unterlaufen ist. Entschuldigen Sie bitte, dass Ihnen dadurch so viele Mühe entstanden ist. Mehr erwarte ich nicht. Aber auch nicht weniger.
Ich könnte noch viele andere Beispiele nennen, in denen für mich ein kleiner entschuldigender Satz die ganze bedauerliche Situation auflösen würde. Ohne ihn bleibt für mich ein merkwürdig unabgeschlossenes Gefühl.
Ich habe mich gefragt, wie ich selber mit meinen Fehlern umgehe. Natürlich mache auch ich nicht gerne Fehler. Aber sie passieren mir leider immer wieder. Meistens unbeabsichtigt, manchmal aber auch, weil ich wütend bin oder unkonzentriert. Auch ich bin nicht gerade heiß darauf, dass meine Fehler entdeckt oder gar öffentlich werden. Auch ich gebe meine Fehler nicht voller Begeisterung zu.
Und dennoch empfinde ich es auch als wohltuend, wenn ich meine Fehler eingestehe und um Ent-schuldigung bitte: Zum Beispiel dort, wo ich etwas vergessen habe, wo ich vielleicht etwas falsch beurteilt habe. Entschuldige ich mich nicht, bleibt in mir immer so etwas wie ein offenes Ende. Es bleibt etwas Unabgeschlossenes. Es steht dann etwas zwischen mir und dem Menschen, der unter meinem kleinen oder großen Fehler leiden musste. Das kann mit den Worten Entschuldige bitte es tut mir leid! oft ausgeräumt werden. Dann nämlich, wenn der andere meiner Bitte um Entschuldigung tatsächlich nachkommt. Wenn er mir zum Beispiel verzeiht, dass ich ihn mit einem unbedachten Wort verletzt habe, wenn ich ungerecht gewesen bin.
Stimmen meine Beobachtungen, dass in unserer Gesellschaft immer seltener um Entschuldigung ge-beten wird? Vielleicht haben viele Menschen nicht mehr die Gewissheit, dass sie auch mit Fehlern wertvoll vor Gott sind und geliebt. Vielleicht kommt eine Entschuldigung immer einer absoluten Niederlage oder einer Kapitulation gleich. Das finde ich sehr schade: Um Verzeihung zu bitten, ist ein wunderbarer Weg aus einer Beziehungsstörung oder sogar einem Beziehungsabbruch herauszukommen und wieder zueinander zu finden.
Ich glaube, dass Gott mich auch mit meinen Fehlern liebt. Für mich heißt darum, um Entschuldigung bitten, nur, dass ich Verantwortung übernehme für das, was ich falsch gemacht habe. Ich gestehe es dort ein, wo ich Schaden angerichtet habe und bitte um die Chance eines Neuanfangs. Dies kann ich, weil ich weiß, dass Fehler zu unserem menschlichen Leben dazugehören. Ich bin mir sicher, dass ich nicht weniger wert bin, wenn ich Fehler mache.
Wo ich vor Gott aufrichtig mit meinen Fehlern umgehe, da werden sie mir vergeben. Im 51. Psalm heißt es: Gott, du bist reich an Liebe und Güte; darum erbarme dich über mich, vergib mir meine Verfehlungen! Nimm meine ganze Schuld von mir, wasche mich rein von meiner Sünde! (Psalm 51, 1-4)
Entschuldigung bitte
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