Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.10.10, Pfarrerin Claudia Kiehn

Unruhig Seelen

Menschen sind sehr unterschiedlich:Es gibt jene von denen man sagt: „Der ist die Ruhe selbst“. Jemand, der nicht viel Wirbel nach außen macht.

 Jemand, der sich gut mit sich selbst beschäftigen kann. Das sind die berühmten stillen Wasser und manchmal sind sie tief.

Und es gibt die anderen, die unruhigen Geister. Solche, die immer unterwegs sind, zu allem etwas zu sagen haben und niemals still sitzen. Dabei steckt beides in uns. Vieles ist von der Tagesform abhängig. Dennoch: Meistens gehören wir eher zu dem einen oder dem anderen Typ. Sind wir entweder die ruhigen Vertreter oder eben die unruhigen.

Was wir aber alle kennen, sind Zeiten der inneren Unruhe. Wenn Zweifel und Ängste an uns nagen und uns unruhig machen. Oft – so behaupte ich – tragen wir selbst viel dazu bei, wenn wir nicht zur Ruhe kommen. Wir verplanen unsere Tage von morgens bis abends, wissen schon, was wir in drei Wochen und drei Monaten machen und wundern uns, wenn wir so wenig zur Ruhe kommen. Sogar der Ruhestand wird heute oft von Rentnern scherzhaft als Un-Ruhestand bezeichnet. Und sie sagen das mit einem gewissen Stolz. Wer unentwegt etwas vor hat, ist etwas wert – ist wichtig, wird ernst genommen. So ist das heute in unserer Gesellschaft. Deshalb planen wir Ruhezeiten oft nicht mehr ein.

Andere Menschen wiederum sind unruhig, weil sie zur Ruhe verdammt sind. Jene, die alleine leben müssen, die niemanden haben, mit dem sie reden können oder etwas unternehmen. Es gibt sie eben auch, diese unfreiwillige Ruhe, die einen unruhig machen kann. Viele, die keine Arbeit haben, erleben diese Unruhe. Die ihren Tag „ruhig angehen lassen“ können; deren Arme zur Ruhe gezwungen sind. Aber: Wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn ich keine Aufgabe habe?

Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? fragt der Beter des 42. Psalms und spricht so über seine innere Unruhe. Ja. Seele, warum quälst du dich mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt? Warum bist du traurig und hoffnungslos? Warum lässt du mich nicht zur Ruhe kommen? Warum raubst du mir den Schlaf?

Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir? Der Psalmbeter fährt fort: Hoffe auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meine Hilfe und mein Gott ist.

Hier lädt ein unbekannter Beter seine Seele zur Ruhe ein, indem er auf Gott und seine Hilfe hinweist. Unsere unruhige Seele sehnt sich nach einem ruhigen, verlässlichen Gegenüber, an das sie sich wenden kann. Ich erzähle Gott von dem, was mich betrübt, von all dem, was meine Seele unruhig macht. Dabei setze ich meine Hoffnung auf Gott, der seine Hilfe versprochen hat.

Geben wir unserer unruhigen Seele einmal wieder die Chance, Ruhe zu finden. Dafür muss ich mir dann auch wirklich Zeit freihalten – ich muss aufhören mir meinen Terminkalender im wahrsten Sinne der Wortes pausenlos zu verplanen. Ich muss mir einen Rückzugsraum schaffen – ohne Telefon, ohne Klingel, ohne Zeitdruck. Die Menschen mit denen ich lebe, müssen wissen, dass ich jetzt nicht gestört werden will. Einmal wieder zur Ruhe kommen, dazu gehört die Stille, das bewusste Schweigen, die Langsamkeit und das Zwiegespräch mit Gott. Natürlich ganz so einfach ist es nicht: Innere Ruhe kann man nicht einfach machen. Sie muss erst wieder eingeübt werden. Wir müssen uns erst wieder an sie gewöhnen. Wir brauchen also: Ruhetraining für die Seele! Training in Gottvertrauen für unser Leben!

Laden Sie Ihre Seele zur Ruhe ein – heute und in den kommenden Tagen. Was betrübst du Dich meine Seele und bist so unruhig in mir?Hoffe auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, dass er meine Hilfe und mein Gott ist.

Audiobeitrag Unruhig Seelen


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