Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.10.10, Pfarrerin Petra Schulze

Neusehland

Autorin: Herbstzeit, Erntezeit. Ich bringe leuchtendrote Äpfel von der Fallobstwiese mit nach Hause. Eine Freundin ist da mit ihrer Tochter Lisa.

Wir wollen Apfelkuchen backen. Und als ich die Äpfel wie immer längs vom Stiel zum Kelch durchschneiden will, nimmt mir Lisa das Messer ab: „Nee, lass mich mal machen. Guck mal, wenn du den Apfel quer durchschneidest, dann sieht du einen Stern.“ Sie meint das Gehäuse mit den Kernen, das im Querschnitt sternenförmig aussieht. Wunderschön.
Wer immer alles auf die gleiche Weise macht – denk ich, immer in seinen altbekannten, ausgetretenen Pfaden bleibt, ist auf der sicheren Seite, spart vielleicht Zeit – aber ihm entgehen manche Schätze der Schöpfung. Was kann ich machen, um mal dem alten Trott zu entkommen? Sabine Mundolf meint:

1. O-Ton Sabine Mundolf: Spontan fällt mir da ein, dass ich (…) meinen großen Wohnraum entmöbeln möchte. Und zwar stehen da ganz viele Stühle und kleine Teile rum, und die würde ich gerne um die Hälfte mindestens reduzieren und auch ne andere Farbgebung in dem Raum durchziehen … - statt der Farben, die ich jetzt habe, was ganz Helles, also das würd mich total reizen das in Angriff zu nehmen.

Autorin: Ein anderes Lebensgefühl kreieren durch Entrümpeln und neue Farbe oder eine Reise:

2. O-Ton Diana: Ich würde Urlaub machen, und zwar auch länger, also drei Monate oder so was, ich würd gern länger irgendwo rumreisen, auch in ´nem größeren Land, weil ich noch nie Urlaub gemacht habe wirklich, also noch nicht im Ausland ….

Autorin: erzählt Diana, die in einem Ost-Berliner Cafe kellnert. Sie träumt von einem Backpacker-Trip nach Kanada. Manchmal müssen es gar nicht so spektakuläre oder aufwändige Aktionen sein, mit denen ich den Alltagsrahmen sprenge. Ich kann auch dadurch meinen Horizont erweitern, dass ich mein Verhalten ändere. Dirk Kreysing hat sich das vorgenommen:

3. O-Ton Dirk Kreysing: Ich würde gerne meiner Freundin jeden Tag etwas Schönes sagen. Ich habe manchmal auch die Idee, das zu tun, aber es fällt mir gar nicht leicht. (lacht) Geboren ist die Idee daraus, dass ich eigentlich unsere Stimmung miteinander pflegen möchte... und das ganz Neue daran wäre, das regelmäßig zu tun und nicht nur vielleicht mal zufällig einmal in der Woche.

Autorin: Einfach mal etwas anders machen –. so wie mein Freundin Anna. Ein Jahr lang hat sie täglich etwas Neues ausprobiert, etwas gemacht, was sie noch nie zuvor gemacht hatte: eine Kaki gegessen, einen Wochenendtrip nach Rom gemacht, mit High Heels zur Arbeit gegangen, einer Bettlerin 50 Euro gegeben. Christen aller Zeiten wissen von diesem kreativen Schatz, der im täglichen Üben liegt. In ihren Stundengebeten im Kloster und im regelmäßigen Meditieren und Hören auf die Sätze der Bibel, üben sie ein, ihr Alltagsleben immer wieder in einem neuen Licht zu sehen. Nicht einfach immer im gleichen Trott weiterzumachen, sondern sich den neuen, herausfordernden Gedanken der Bibel zu öffnen und sich durch das Licht der heiligen Worte verändern zu lassen. Und daraus ergibt sich dann oft eine spannende to-do-Liste überraschender neuer Möglichkeiten. Welche? Fragen Sie sich doch einfach selbst einmal.

Audiobeitrag Neusehland


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