Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.09.10, Pfarrer Gerd Höft

Der Blick der Liebe (1. Johannesbrief 4,16)

Musik: Let me wrap you in my warm and tender Love. Let me wrap you in my warm and tender Love

 Autor: Lass mich dich einwickeln in meine wärmende und zärtliche Liebe. Percy Sledge sang einst diesen Schmusesong. Es ist viele, viele Jahre her. Wir waren noch jung, und die Sehnsucht nach Liebe, Lust und Leidenschaft, nach den himmelstürmenden Gefühlen war noch nicht einer gewissen Erfahrungsroutine gewichen. Und während wir manchmal tobende Hormone mit Liebe gleichsetzten, traf sie uns doch, die Liebe, die so anders war, und wir erlebten wahrhaft magische Momente.

Immer wieder habe ich diese wunderbare Erfahrung gemacht; wenn’s mir schlecht ging, ich schwer erkrankt war – wenn dann jemand da war, und der mich wie mit einem warmen, weichen Tuch in seine Liebe und Zuneigung gehüllt hat. Alle Anstrengung konnte ich loslassen, alle Quälerei, ich musste mich nicht mehr abmühen, nichts mehr wurde von mir verlangt.

Lass mich dich einwickeln in meine Liebe, die nichts fordert, nichts will, nur da sein und dich bergen. Ich erinnere mich auch an Nächte, in denen ich mein weinendes Kind in den Armen hielt und ich es einhüllen konnte in meine wärmende, zärtliche Liebe, die ihm ohne Worte versprach: ich bin für dich da – und wie sich dann der kleine Körper entspannte, die Tränen versiegten.

Höhepunkte leidenschaftlicher Liebe sind schön, aber auch vergänglich. Doch dieses Gefühl, wenn sich ein Wärmestrom bildet, dich einhüllt und sagt: alles ist gut, das ist mit nichts aufzuwiegen. Junge Leute, die oft nahezu zwangsläufig Liebe mit Sex gleichsetzen, mögen das vielleicht noch anders sehen; staunen dann aber, wie schnell sich diese ewige Liebe, die sie sich versprochen haben, so rasch auflöst, so rasch nachlässt, wenn sich die sexuelle Attraktivität verflüchtigt. Wehe dann, wenn sie sich nicht auch Augenblicke wärmender und zärtlicher Geborgenheit geschenkt hatten – das Scheitern der Beziehung kommt dann schneller als erwartet.

Allerdings: der magische Moment der Liebe verliert sich nicht selten in einer Sucht nach Leidenschaft. Und es gehört ja zum Wesen der Leidenschaft, dass sie fordert, dass sie will, dass sie schnell entflammt und schnell erkaltet; sie stellt Bedingungen und ist gnadenlos; sie wendet sich zu und wendet sich ab und hinterlässt nicht selten verbrannte Erde.

Liebe hält die Wärme in einer Beziehung fest, ist ein ruhiger Fluss, der nicht mitreißt, sondern mitnimmt; sie ist die Decke in den kalten Nächten meines Lebens, die kühlende Hand auf fiebriger Stirn, das Schlaflied am Bett des Kindes und gemeinsam geweinte Tränen nach überstandener Lebenskrise.

Und was hat jetzt Gott damit zu tun? In der Bibel heißt es: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Johannesbrief 4,16) – das beschreibt diesen Wesenszug der Liebe: zu schenken, sich zu schenken, bedingungslos, vorurteilsfrei.

Darauf muss ich achten, wenn es wieder einmal um Liebe, Lust und Leidenschaft geht. Nur dann kann ich den eigentlichen magischen Moment erkennen, der meine Irrungen und Wirrungen in Liebesdingen klein hält und mich merken lässt, worum es bei der Liebe wirklich geht. Der Blick in die Heilige Schrift hilft hierbei. Sie zeigt mir einen Gott, der ist und bleibt, der mich birgt und einhüllt in seine wärmende und zärtliche Liebe. Ganz so wie es der gute Percy Sledge vor vielen Jahren gesungen hat. Und siehe: Alles wird gut.

Musik: Percy Sledge: Warm and tender Love
CD When a man loves a woman, Track 2 (3:09 min), BRISA Entertainment 44009-2


 

Audiobeitrag Der Blick der Liebe (1. Johannesbrief 4,16)


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