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Die falsche Entscheidung treffen (1. Samuel 28,3-19)
Es gibt Momente in einem jeden Leben, die kann man durchaus magisch nennen. Momente, nach denen nichts mehr so ist, wie es vorher war. Sie können Heil und Unheil bringen.
Wie z.B. in der Geschichte der Hexe von En Dor; eine der Gruselgeschichten in der Bibel.
Eigentlich ist es gar nicht die Geschichte einer Hexe, sondern die eines Mannes. Der ahnt: sein Lebenswerk wird unter seinen Händen zerbröckeln. Er ist am Ende, rettungslos verloren, und er will es doch nicht einsehen.
Dieser Mann steht beispielhaft für uns. Auch unser Leben steuert manchmal auf einen dieser magischen Momente zu. Aber wir wollen und können das Steuer noch nicht aus der Hand geben. Wir wollen es selber noch einmal zwingen, koste es, was es wolle.
Der Mann damals hieß Saul. Von einem Propheten namens Samuel war er zum ersten König Israels gesalbt worden auf Gottes ausdrücklichen Wunsch hin. Saul hat sich bemüht, er hat Kriege geführt, sich nicht geschont. Für Gott hat er alles eingesetzt, auch sein Leben. Selbst nach dem Tod des Propheten Samuel mühte sich Saul weiterhin redlich, das junge Königtum zu stabilisieren und Gott die Anerkennung als einzigem Gott zu verschaffen. Gerade eben hat er noch als weitere Maßnahme alle Geisterbeschwörer und Hexen aus dem Land vertrieben.
Aber Saul macht Fehler, sie unterlaufen ihm einfach; er gerät in Panik, macht noch mehr Fehler und dann lässt ihn auch noch Gott fallen. Saul merkt: er ist auf abschüssiger Bahn. Und dann muss er wieder einmal in den Krieg. Die beiden feindlichen Heere stehen sich gegenüber. Saul spürt, was er vorher nicht kannte: Ratlosigkeit und Angst: soll er angreifen oder lieber noch warten? Guter Rat ist teuer: doch seine Hauspropheten zucken die Schulter; er lässt das Los werfen. Vergeblich. Er prüft seine Träume, ob sie einen Hinweis Gottes enthalten. Nichts. Gott verweigert sich. Wenn nur Samuel noch lebte. Der wüsste Rat.
Auch unser Leben kennt diese Momente. Alles läuft auf eine Entscheidung zu. Wir sind ratlos, verängstigt. Es kommt uns so vor, als schlittern wir auf abschüssiger Bahn. Niemand mehr da, der uns bremst, an der Hand hält, zurückreißt. Auch Gott ist offensichtlich unerreichbar für unser Beten, Betteln, Schreien, Klagen. Was tun?
Auch wir versuchen, uns dann Rat zu holen. Besprechen uns mit den verbliebenen Freunden, gehen zu Psychologen oder auch zum Pfarrer. Manche rufen bei Fernsehsendern an, die astrologischen Firlefanz anbieten. Doch das Schlittern auf der abschüssigen Bahn lässt sich nicht abbremsen.
Saul, der unglückliche König, versucht es mit einer Notbremse, einer unerlaubten dazu. Da soll es trotz seines Verbotes noch eine Hexe geben, die die Toten beschwören kann. Sie bittet er, den Propheten Samuel aus dem Totenreich zu rufen. Gegen Gottes und sein Gebot, lässt er den Toten beschwören. Der kommt auch. Aber Samuel erteilt keinen Rat, er verkündet ein Urteil: Saul und seine Söhne werden in der Schlacht umkommen.
Das ist der unheilvollste magische Moment. Alles läuft auf einen Punkt zu, und der ist ein Todesurteil. So schlimm muss es bei uns nicht sein, obwohl auch das vorkommt: Wir treiben Raubbau an der eigenen Gesundheit, wir missachten warnende Hinweise von Körper und Seele, handeln nach der Devise Augen zu und durch. Gäbe es denn etwas Anderes? Etwas, das eine Entwicklung aufhalten könnte, die unausweichlich scheint? Manchmal gibt es das nicht. Dann wird es über uns hereinbrechen. Aber da auch wieder herauszukommen, das geht schon. Dann heißt es, sich und seiner Sache treu zu bleiben. Nicht alle Energie darauf verwenden, den Unheilsmoment zu vermeiden, sondern alle Energie darauf verwenden, ihn zu bestehen. Saul, der Unglückskönig, hat diese Bewährung nicht bestanden. Er versuchte zu entkommen, hat dabei Gottes und sein Gebot missachtet. Mit diesem Verhalten besteht keiner seine Unheilsmomente, vielmehr reißt es jeden endgültig in den Untergang.
Also: bleiben wir Gottes und unserer Sache treu, dann werden wir bestehen, was wir bestehen müssen.
Die falsche Entscheidung treffen (1. Samuel 28,3-19)
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