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Abendmahl
Vielleicht werden wir im nächsten Jahr auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden das Wunder eines offiziellen gemeinsamen Abendmahls zwischen evangelischen und
katholischen Christen erleben. Genau das ist jedenfalls zwar zunächst nur für gemischt-verheiratete Ehepaare in Aussicht. Aber immerhin. Bischof Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, will deswegen in Rom vorsprechen, und auch der evangelische Präsident des 2. Ökumenischen Kirchentages, Eckhard Nagel, ist optimistisch. Er halte ein gemeinsames Abendmahl für realisierbar, sagte er im Juni dieses Jahres in Dresden.
Viele denken heute: So ein Quatsch. Gemeinsames Abendmahl müsste doch längst selbstverständlich sein. Ist doch ein und derselbe Gott. Ob evangelisch oder katholisch was macht das schon für einen Unterschied? Und sie können es nicht verstehen, warum die sich da oben so schwer tun und das so lange dauert bis Christen beider Konfessionen gemeinsam an den Altar treten Abendmahl feiern.
Doch das mit der Zeit ist relativ. Noch in den 50er Jahren gingen die Christen in Deutschland ganz anders miteinander um. In den Schulen gab es getrennte Pausenhöfe für evangelische und katholische Kinder. Und über den Zaun hinweg hagelte es Beschimpfungen: Typisch katholisch denen kannst du doch nicht trauen. Guck mal die da drüben, die ungläubigen Protestanten. Keine Seite stand der anderen in etwas nach. So habe ich es auch noch vor 30 Jahren zuhause erlebt: An Karfreitag wuschen unsere katholischen Nachbarn ihr Auto, an Fronleichnam ging mein Vater mit der Schere in den Garten.
Selbst innerhalb des evangelischen Lagers misstraute man sich noch: zwischen Reformierten und Lutheranern wurde erst 1973 die volle Abendmahlsgemeinschaft in der Leuenberger Konkordie beschlossen immerhin nach 450 Jahren der Trennung und das innerhalb der evangelischen Kirche! Also: Geben wir der Ökumene doch eine Chance und üben uns in Geduld. Schritte auf dem Weg zum religiösen Frieden werden schon seit langer Zeit und immer wieder unternommen.
Heute vor 455 Jahren, am 25. September 1555 wurde in Augsburg ein erster Religionsfriede geschlossen. Vertreter des katholischen Kaisers kamen mit protestantischen deutschen Fürsten zusammen und handelten erstmals seit der Reformation 1517 einen Religionsfrieden aus: Cuis regio, eius religio wessen Land, dessen Religion. Zumindest die Fürsten konnten sich fortan frei entscheiden, ob sie katholisch oder lutherisch sein wollten ihre Untertanen hatten ihnen zu folgen oder mussten das Land verlassen ihr Leben durften sie fortan behalten. Natürlich kein gemeinsames Abendmahl, aber ein erster Schritt auf dem langen Weg zum Frieden zwischen den Konfessionen. Und manchmal kommen dann bahnbrechende Veränderungen ja auch völlig unerwartet und über Nacht wie bei der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staatshälften vor 20 Jahren.
Das gemeinsame Abendmahl auch wenn es in Anführungsstrichen zunächst nur für gemischt-verheiratete Paare möglich wäre dieses gemeinsame Abendmahl wäre ein echter Meilenstein auf dem Weg der Versöhnung zwischen Evangelischen und Katholischen Christen. Gönnen wir dem Prozess der Einigung Zeit, in dem Wissen, dass beide Seiten voneinander lernen und sich bewegen, um endlich Frieden zu schließen: auch in der heiklen Frage des gemeinsamen Abendmahls.
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