Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.09.10, Pfarrer Jochen Müller

Discount

Neulich hatten sie bei Aldi eine Eismaschine im Angebot. Ich hin. So ein Ding wollten wir haben. War ja auch mächtig heiß. Und für die Kinder …

An der Kasse lese ich: Wir - bei Aldi - sind stolz darauf: 85 Prozent der Haushalte kaufen bei Aldi – ich denke: Das darf doch nicht wahr sein. So viele! Aber wenn ich mich umhöre, scheint es zu stimmen. Praktisch gehen alle dahin – ich ja auch wegen der Eismaschine. Aber ich habe meine Skrupel. Wer fragt eigentlich danach, wie diese Discount-Preise zustande kommen? 

Also das Discount-Prinzip. Da wird damit geworben, dass der Konzern sich auf das Wesentliche konzentriere – aber was ist eigentlich das Wesentliche? „Hohe Qualität bei konstant niedrigen Preisen“ lese ich auf der homepage – ja und wo kommen die Hammer-Preise her?

Natürlich: auf große Läden und schönes Design wird verzichtet. Auch auf überflüssiges Personal – also warte ich in einer langen Schlange geduldig an der Kasse. Vor allem aber werden so große Mengen eines Produkts abgenommen, die nur eine große Kette einkaufen kann. Solche Riesenkunden können den Erzeugern die Preise diktieren. Beim Milchpreis ist das vor einiger Zeit öffentlich geworden. Nichtmals die Hälfte des Einkaufpreises kommt beim Erzeuger an – kaum noch 20 Cent pro Liter. Und dann können die großen Discounter den Milchpreis noch senken. Auf wessen Kosten?

Als vor einiger Zeit angekündigt wurde, dass die Butter teurer werde, da kauften manche einen richtigen Vorrat und glaubten, Wunder, was sie gespart hätten. Doch wie viel Päckchen Billigbutter muss ich eigentlich essen, um von dem Ersparten einmal ins Kino zu gehen? Zeitgleich geben dieselben Pfennigfuchser viel Geld für überflüssigen Luxus aus: Kaufen neue Handys, Autos und Klamotten. Den Vorwurf: das könne ja nur einer sagen, der nicht so auf das Geld gucken müsse, kann ich nicht gelten lassen, wenn ich lese, dass 85 Prozent der Haushalte dort einkaufen. Natürlich gibt es die Bedürftigen, die jeden Cent dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben können. Bei uns war das früher auch so. Meine Mutter kaufte nur Sonderangebote – aber 85 Prozent der Bevölkerung können davon ja wohl nicht betroffen sein. Letztlich, glaube ich, wird heute am falschen Ende gespart. Wenn ich zum Beispiel höre, dass in Deutschland der Anteil am fair gehandelten Kaffee nur bei einem Prozent liegt, während er in Frankreich bei 20 Prozent liegt, dann frage ich mich, ob für uns Deutsche eben wirklich Geiz geil ist – koste es was es wolle.

Ich meine, wir sollten anfangen, nach den Produktionsbedingungen, den Verkaufsbedingungen, der Umweltverträglichkeit, der Nachhaltigkeit zu fragen – und natürlich nicht nur bei Aldi, die genau dafür ja auch schon einiges tun. Der Preis kann und darf nicht das alleinige Argument für unsere Kaufentscheidungen sein. Nur weil es billig ist, muss es noch nicht gut für mich und diese Welt sein.

Übrigens: Ich habe gerade noch die letzte Eismaschine gekriegt – aber in Gebrauch hatten wir sie noch gar nicht. Haben wir sie vielleicht gar nicht gebraucht?

Audiobeitrag Discount


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