Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.09.10, Holger Pyka

Risse im Leben

Simone sitzt am Küchentisch. Wie lange hat sie schon hier gesessen? Sie hält eine Kaffeetasse umklammert, die ist längst kalt. Kai ist weg. Es ist aus.

Einfach so, aus heiterem Himmel. „Du, ich glaub‘, das ist nichts mehr zwischen uns“, hat er gesagt. Und dann ist er einfach gegangen. Wie betäubt sieht Simone sich in der Küche um. Fast komisch, dass hier noch alles steht. Wo doch nichts mehr ist, wie es war. Was wird jetzt aus ihr? Und die Wohnung, was wird damit? Der Mietvertrag läuft doch auf beide... Und der Geburtstag heute Abend? Alleine dahin? Was soll sie denen denn sagen?

Es gibt Momente, da fällt das Leben in sich zusammen. Vorher war alles selbstverständlich, jetzt ist es weg. Meine Sicherheit liegt in Trümmern. Und meine Welt ist eine andere geworden.

Wenn das Leben einen Riss bekommt, dann sieht man erst mal gar nichts. Da ist zu viel Staub aufgewirbelt, und der Blick ist verklebt. Aber irgendwann legt sich der Staub. Auch für Simone. Dann steht sie auf, reibt sich die Augen und sieht: Dahinter geht es weiter. Vielleicht merkt sie dann, dass sie nie ganz allein gewesen ist. Jemand hat sie durch diesen Riss angesehen und leise gesagt: Ich bin da. Und dann sagt Simone: Ja, ich auch wieder.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Risse im Leben


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