Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.09.10, Pfarrer Gerd Höft

Anerkannt werden (Matth 3,13-17)

Es gibt Momente in einem jeden Leben, die kann man durchaus magisch nennen. Es sind die Momente, in denen sich etwas verdichtet, offenbar wird.

Momente, in denen sich Entwicklungen kreuzen, Lebensknoten sich schürzen oder entwirren. Kurz: Momente, nach denen nichts mehr so ist, wie es vorher war.

Zum Beispiel: Der kleine Junge – eben hat er noch etwas ängstlich zum geliebten, aber auch etwas gefürchteten Vater hinaufgeschaut – dieser kleine Junge sieht, wie sein Vater vor ihm in die Hocke geht. Fast auf Augenhöhe sind sie jetzt. Er fasst den Jungen bei den Schultern, sieht ihm in die Augen. „Das hast du großartig gemacht“, hört er seinen Vater sagen, „du bist großartig, ich bin so stolz auf dich.“

Solche Augenblicke wird kein Kind je in seinem Leben vergessen. Sie werden ihm helfen, später als Erwachsener schwierige und bedrohliche Situationen zu meistern. Sie werden es groß und stark werden lassen für sich und andere.

Nicht immer sind diese wahrhaft magischen Momente mit großer Geste verbunden. Nicht immer wird dabei gesprochen. Aber Kinder spüren, ob sie gemocht werden oder nicht; ob sie wertgeschätzt werden oder nicht; ob wir ihnen etwas zutrauen oder sie klein halten oder klein machen wollen.

Du bist großartig, und du wirst schaffen, was du dir vornehmen wirst – und wenn du Hilfe brauchen solltest, werde ich für dich da sein. Gott segne alle Eltern, die das zu ihren Kindern sagen und auch einlösen.

Auch Jesus kannte diesen magischen Moment in seinem Leben. Allerdings war er damals schon erwachsen. In diesem Ereignis, das ich meine, wird praktisch ein neues Vater-Sohn-Verhältnis begründet, und es ähnelt in allem dem, was hoffentlich viele Kinder von ihren Vätern und Müttern erfahren.

Also: Jesus hat schon vor einiger Zeit die väterliche Werkstatt in Nazareth verlassen und zieht als eine Art Wanderprediger durchs Land. Er hört von einem Mann namens Johannes, den man auch den Täufer nannte. Der tauchte alle die Menschen im Jordan ins Wasser, die ein neues Leben beginnen und sich dafür von ihren Sünden symbolisch reinwaschen wollten. Natürlich mussten sie vorher dazu ihre Schuld bekennen, bereuen und versprechen, von Grund auf anderen Sinnes zu werden.

Zu diesem Bußprediger zieht es also Jesus hin. Brav reiht er sich in die Menge derer ein, die sich vor dem wortgewaltigen Prediger gebildet hatte. Deftig und kräftig rieb der seinen Zuhörern Lebensverfehlungen und Lebensirrtümer unter die Nase. Dafür war er bekannt. Seine Worte rührten nicht wenige bis ins Innerste, und sie wollten die Taufe. Dann stand Jesus vor ihm im flachen Gewässer.

Plötzlich und unerwartet reißt der Himmel auf und eine andere Stimme spricht. Jesus hört: „Du ist mein Sohn. Dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt.“

Ob andere diese Stimme auch gehört haben, ist nicht überliefert; ist auch nicht so wichtig. Jesus hat sie gehört – und von diesem Augenblick an ist er ein anderer. Eine neue Beziehung wurde begründet, die – fest und dauerhaft - sogar bis über den Tod hinausreichte und zwar im wortwörtlichen Sinn. Ein neues Selbstwertgefühl machte Jesus stark, so stark, dass er alle Widrigkeiten seines Lebens bestehen konnte. Und davon gab es ja einige. In diesem Moment, im seichten Wasser des Jordan, wurde wahr: Das Leben und die Liebe leben von der Anerkennung. Leben davon, dass jemand sagt: Du bist jemand. Dir gilt meine Wertschätzung. Wir gehören zusammen. Kramen wir doch einmal in unserem Leben. Erinnern Sie sich an solche magischen Momente, als Ihnen jemand unbedingte Anerkennung zusprach, oder als Sie jemanden rückhaltlos wertgeschätzt haben? Wenn nicht: noch ist Zeit für beides.

Audiobeitrag Anerkannt werden (Matth 3,13-17)


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