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"Gott liebt dich"
Guten Morgen! sagte mein Radiowecker. Aufwachen! Gott liebt dich!Oh, ne, stöhnte ich. Was ist denn jetzt los? Kannst du mich nicht ganz normal mit Musik wecken?
Kann ich schon, erwiderte mein Radiowecker fröhlich. Aber Sprechen macht mehr Spaß. Und manchmal ist mir nach ein bisschen Abwechslung zumute.
Na toll, knurrte ich. Und warum klingst du dann wie ein übereifriger Fernsehprediger?
Quatsch! Die reden doch ganz anders, widersprach mein Wecker. Ich wollte dir einfach eine gute Botschaft mit in den Tag geben.
Dann erzähl mir doch, ich hätte im Lotto gewonnen, brummte ich.
Ach! Und was dann?, fragte er. Mit dem Geld aus dem Lottogewinn würdest du doch sowieso nur irgendwelchen Unfug kaufen. Aber geliebt zu werden - das zählt doch viel mehr!
Eh und mit so einer Nummer kommst du mir am frühen Morgen? Ich drehte mich zu den Leuchtziffern hin. Das ist doch kalter Kaffee! Liebe ist das Wichtigste im Leben - geschenkt, weiß ich doch alles. Und dass Gott uns liebt, das hab ich tausendmal im Gottesdienst gehört!
Du willst mir doch nicht erzählen, dass du schon tausendmal im Gottesdienst warst?
Alter Erbsenzähler, brummte ich. Okay, war nur so dahingesagt. Aber trotzdem ist das nichts Neues! Gott liebt doch alle Menschen. Ist doch sozusagen sein Job!
Nicht so schnell, funkte mein Wecker dazwischen. Lass erst mal die anderen Menschen aus dem Spiel. Hier geht es schließlich um dich!
Wieso um mich? fragte ich erstaunt.
Na, weil Gott nicht nur ganz allgemein die Menschen liebt sondern dich persönlich!
Warum? Er kennt mich doch gar nicht.
Oh, da wär ich an deiner Stelle nicht so sicher. Jetzt klang er fast triumphierend. Aber tatsächlich wurde ich langsam neugierig.
Wie meinst du das? fragte ich.
Na, du bist doch getauft, begann er.
Ja, irgendwann als kleines Kind. Weiß ich nix mehr von.
Macht nichts, erwiderte mein Radiowecker. Bei deiner Taufe bist du nicht nur Mitglied der Kirche geworden. Da wurde dir auch ein Segen zugesprochen. Das heißt, du hast die Zusage gekriegt, dass Gott dich lieb hat. Und dass er dich auf deinem Lebensweg begleiten will.
Na! spottete ich. Wenn der mich auf meinem Lebensweg begleitet hat, dann wird ihm das mit der Liebe schnell vergangen sein. Schließlich weiß er dann einiges über mich, was gar nicht liebenswert ist.
Na ja, erwiderte der Wecker bedächtig. Auch die Menschen, die dich lieben, deine Frau zum Beispiel oder deine Freunde, die kennen doch auch ein paar Seiten an dir, die nicht liebenswert sind. Und trotzdem lieben dich diese Menschen - jeder auf seine Art eben.
Hm, das stimmt natürlich, sagte ich nachdenklich. Und so ist das mit Gott auch? Der weiß also, dass ich manchmal ziemlich ungeduldig bin oder auch ungerecht? Dass ich mit meiner Mutter in der letzten Zeit nicht mehr gut zurechtkomme? Und kaum in die Kirche gehe?
Na klar, sagte der Wecker. Der weiß sogar, wie du gestern deine Kinder angeschnauzt hast.
Oh, sagte ich. Das war mir etwas peinlich, denn ich wusste, dass ich da zu laut geworden war. Und Gott liebt mich trotzdem? fragte ich weiter. Ist dem denn das alles egal?
Nö, sicher nicht, erwiderte der Wecker. Deiner Frau ist es ja auch nicht egal, wenn du sie anknurrst, nur weil dir die letzten Fußballergebnisse nicht passen. Solche Sachen sind nicht in Ordnung. Aber die Liebe hält so was aus. Die Liebe Gottes sowieso.
Hm, machte ich. Ich glaub, da muss ich jetzt erst mal drüber nachdenken.
Ist gut, sagte der Radiowecker und schaltete auf WDR 2 um.
"Gott liebt dich"
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