Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.09.10, Präses Nikolaus Schneider

Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen! (Jesaja 55,2)

Autor: Marktschreier haben nicht unbedingt den besten Ruf, liebe Hörerinnen und Hörer. Der Ton ist zu laut, die Sprache übertrieben – ihre ganze Art wirkt aufdringlich.

Und doch offenbart Gott sein Wort auch im Ton eines Marktschreiers:

Sprecherin: „Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen.“ (Jesaja 55,2)

Autor: So tönt das Losungswort für diesen Tag aus dem Buch des Propheten Jesaja, liebe Hörerinnen und Hörer.

Gott wirbt um seine Leute so, als würde er sich auf einem orientalischen Basar in Konkurrenz zu anderen Anbietern durchsetzen müssen. Vielfältige Anbieter von Heilslehren und Glücksversprechen gab es schon im alten Israel und gibt es zunehmend bis heute. Soziologen sprechen bei ihren Analysen über die religiösen Verhältnisse in einer Gesellschaft gern von „Anbietern auf dem Markt der Religionen“.

Und in vieler Hinsicht ist das auch eine angemessene Beschreibung. Theologische Literatur ist in vielen Buchhandlungen unter „Esoterik“ verborgen. Dort finden sich Bibel, Koran und andere heilige Schriften ebenso wie Beschreibungen exotischer Frömmigkeitspraktiken. Man könnte den Eindruck gewinnen, für Verkäufer wie Käufer ist es völlig beliebig geworden, wo Menschen ihre spirituelle Heimat suchen und finden. Auf diesem Jahrmarkt der Religionen gab und gibt es Scharlatane. Ihre Angebote sehen zwar wie Brot aus, lassen aber den Leib und die Seele der Menschen verhungern.

Auf diese Situation reagiert Gott selbst. „Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen!“ Das Wohl und das Heil seiner Menschen sind Gott so wichtig, dass er nicht mehr ruhig und gelassen zusehen kann. Er ergreift das Wort. Er lässt seinen Propheten Jesaja wie ein Marktschreier geistliche Speise anbieten, die wahrhaftig Brot des Lebens ist: Gottes Worte, Weisungen und Gebote; Lieder, Gebete und Gottesdienste, die unseren Glauben stärken und uns der Nähe Gottes gewiss werden lassen. Das sind die geistlichen Speisen, die uns erfüllt und gesegnet leben lassen.

Über diesen fast aufdringlichen Ton seiner Prophetenbotschaft geht Gott aber noch hinaus. Er lässt Seine Botschaft lebendig werden. Von einer Frau des jüdischen Volkes wird Gottes Sohn geboren. Gott wird Mensch. In Jesus Christus begegnet uns Gott ganz unmittelbar.

 „Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel“, sagt dieser Jesus (Johannes 6, 32) und weist auf sich selber hin. Jesu Worte, seine Reden, Predigten, Beispielgeschichten, auch seine Streitgespräche sind wie Speisen für uns, die uns nachhaltig sättigen. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. (Matthäus 4,4) Sie stärken unser Denken und unseren Glauben. Sie lassen uns erkennen, wer wir sind und wie Gott zu uns steht. Jesu Taten speisen unser Verhalten so, dass wir ihm nachfolgen und Kranke heilen, Menschen am Rande wieder in die Gemeinschaft aufnehmen, Schwache und Verzweifelte tragen können.

Im Namen Jesu Christi können wir Schuld und Sünde in ihren Wirkungen begrenzen. Schuld kann ehrlich bekannt werden. Gottes Vergebung wird uns zugesagt, und Neuanfänge werden möglich. Das ist das wahre Brot vom Himmel. Es kann Menschen verändern und stärken. Es bewirkt neues Leben, das uns das Erdenleben mit allen Höhen und Tiefen, mit allem Gelingen und Versagen, allem Absterben und Neubeginnen bestehen lässt. Es hat sogar die Kraft, Menschen bis zum neuen Leben in Gottes Reich zu tragen. Die Stimme des werbenden Gottes können Sie heute nicht überhören, liebe Hörerinnen und Hörer. Genießen sie das wahre Brot des Lebens! Einen guten Tag Ihnen allen.

Audiobeitrag Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen! (Jesaja 55,2)


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