Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.09.10, Präses Nikolaus Schneider

Hoch gelobt sei Gott! (Psalm 70,5)

Autor: Das Loben Gottes ist keineswegs selbstverständlich, liebe Hörerinnen und Hörer, auch nicht für Menschen, die an Gott glauben.

Nur zu oft sind wir so voller Fragen, Klagen und Anklagen gegenüber Gottes Wirken in unserem Leben und in der Welt. Dann bleibt einfach kein Raum in unseren Herzen für ein ehrliches Gotteslob aus unserem Mund.

Sprecherin: „Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hoch gelobt sei Gott.“ (Psalm 70,5)

Autor: Dieses Psalmwort ist die Losung für den heutigen Tag. In der Lutherbibel ist der ganze Psalm überschrieben mit „Hilferuf gegen Widersacher“.
Der Psalmbeter ruft Gott um Hilfe an, denn ihm wird nach dem Leben getrachtet. Menschen wollen ihm Übles. Sie zeigen mit dem Finger auf ihn und stellen ihn öffentlich bloß.

Er ist sich ganz gewiss: Gott kann helfen. Gott hat schon geholfen. Ihm ist nicht gleichgültig, wie es den Menschen ergeht. Der Psalmbeter fühlt sich auch jetzt, inmitten seiner Bedrängnis, von den großen Taten Gottes an den Menschen seines Volkes Israel getragen. Deshalb ist das Loben Gottes Teil seines Flehens und Bittens. „Lass (sie) allewege sagen: Hoch gelobt sei Gott!“  Warum, liebe Hörerinnen und Hörer, fällt es uns so schwer, das Loben Gottes „allewege“, also auch in unseren trüben Stunden, zum Bestandteil unseres Lebens und Betens zu machen? Wir Menschen, auch wir Christenmenschen, müssen immer wieder aufgefordert werden oder uns selbst auffordern: “Lobe, den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen“. (Psalm 103,1)

Woran liegt das? In unseren schweren Zeiten sind wir oft so sehr von unseren Befürchtungen und Ängsten besetzt, dass wir gar nicht darauf kommen, Gott zu loben. Dann ringen oder verhandeln wir mit Gott, dann flehen oder bitten wir um Hilfe. Jedes Gotteslob erscheint uns dann vielleicht als inhaltsleere, frömmelnde Floskel. Und wenn wir gerade eine Glückssträhne haben und von Erfolgen verwöhnt werden? Dann feiern und teilen wir unsere Freude mit anderen Menschen. Dann stecken wir unsere Zeit und Energie in weitere Zukunftspläne, die die guten Zeiten verlängern. Aber wir nehmen uns nicht unbedingt die Zeit, Gott zu loben. Und vielleicht sind uns auch die vielen Gottesgeschenke, die unser Leben so reich und erfüllt machen, schnell selbstverständlich geworden.

Wir tun uns so schwer mit dem Loben Gottes auf allen unseren Wegen! Wir verdrängen in unserer Selbstbezogenheit und in unserer engen Sicht auf unsere Lebenswelt das Lob, das Gott allezeit gebührt. Denn er ist der Schöpfer der Welt und allen Lebens. Gott verdanken wir unsere Lebenskraft. Von ihm kommen wir her und zu ihm gehen wir hin. In ihm ist unser Leben unzerstörbar bewahrt. Gott ist Gott – und wir sind und bleiben Menschen. Das zu erkennen und daraus zu leben, das bedeutet Gott loben. Es gibt einen weiteren Zugang zum Lob Gottes: Gott kommt uns in Jesus Christus so nahe, dass wir ihn als unseren Vater ansprechen und lieben können.

In Jesus Christus sind alle Gottesverheißungen der Heiligen Schrift auch Verheißungen für unser ganz persönliches Leben. Durch Jesus können wir auch in unseren schweren Zeiten auf Gottes Geleit und Hilfe vertrauen. Das ist wahrlich ein Grund, allewege zu sagen: „Hoch gelobt sei Gott“. Der neutestamentliche Lehrtext für heute nimmt diesen Gedanken auf: „Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.“ (2. Korintherbrief 1,20) Einen guten Tag wünsche ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer; einen Tag, der vom Lobe Gottes beschwingt sein möge.

Audiobeitrag Hoch gelobt sei Gott! (Psalm 70,5)


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