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Bei Menschen am Rande
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Reisereportagen sind eine beliebte Lektüre aus gutem Grund, mal ist das Land unbekannt und reizvoll, mal sind die Begegnungen mit Menschen
bemerkenswert oder der Reisende ist ein berühmter Mann. Ein guter Schriftsteller versteht es, diese Zutaten bunt, aber treffend zu mischen. So auch Lukas. In seinem Evangelium steht die Person Jesu selbstverständlich im Vordergrund, der Weg ist nicht so wichtig, das Ziel, Jerusalem allerdings schon, denn dort wird sich der Konflikt mit den politischen Mächten zuspitzen, mit den Kräften, die das Recht und die Ordnung ihres Volkes zu hüten meinen und Jesus und seine Lehre deshalb ablehnen.
Einstweilen aber wandert Jesus tief unten im Jordan-Tal und kommt nach Jericho, einer blühenden Oase. Dort wohnten wohlhabende Bürger, die durch die Fruchtbarkeit der Gegend und durch die Lage der Stadt an einer Handelsstraße zu Reichtum gekommen waren. Deshalb sammelten sich dort auch arme Leute; sie hofften, es könnte vom Reichtum der Reichen etwas für sie abfallen. Hier begegnen Jesus nacheinander zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch geschieht beiden etwas Ähnliches: Beide werden durch die Begegnung mit Jesus völlig verändert.
Der eine sitzt an einem Zufahrtsweg zur Stadt, er ist blind und bettelt, seinen Namen erfährt man nicht; er wartet auf Leute, die ihm etwas zum Überleben geben. Als er hört, dass Jesus in der Nähe ist, ruft er so laut voll verzweifelter Hoffnung nach Jesus, dass der stehen bleibt, und ihn fragt: Was willst Du, dass ich Dir tun soll? Und der Wunsch des Blinden erfüllt sich tatsächlich, er kann wieder sehen.
Der andere, ist der Zöllner Zachäus, im Auftrag der römischen Besatzung tätig, stadtbekannt für seine üblen Geschäftsmethoden. Er hockt in der Stadt auf einem Baum, weil er sich diesen Jesus aus der Nähe anschauen will, um sich ein Urteil zu bilden über den Aufsteiger dieser Tage, über den Zimmermannssohn aus Nazareth.
Ihn, spricht Jesus von sich aus an: Komm herunter, versteck dich nicht, ich will heute in Deinem Haus zu Gast sein. Durch diesen einen Satz verändert Jesus die Lage des Zöllners, er wird öffentlich ernstgenommen, nicht verachtet. Zwei Menschen werden durch die Begegnung mit Jesus aufgewertet, der Blinde kann sehen und der Zöllner wird aus dem Abseits der Gesellschaft, in das er sich selbst manövriert hatte, herausgeholt.
Die eine wie die andere Begegnung wirkt erstaunlich und manche, die das mit ansehen, ärgern sich über Jesus. Er erregt Aufsehen, ein Blinder, der plötzlich wieder sehen kann, das widerspricht aller ärztlichen Erfahrung, und ein Agent der römischen Besatzung als Gastgeber für einen frommen Mann aus Israel, das ist gefährlich, jedenfalls in den Augen der Männer, die in Israel den Ton angeben. Es wird gefährlich für Jesus, er bringt sich mit seinem Verhalten in Gefahr.
Wer diese Geschichten heute hört, wird sich nicht mehr ganz so sehr wundern, wie die Zeitgenossen Jesu. Viele Menschen setzen sich für Kranke und Verachtete ein, auch wenn weiterhin darüber gestritten wird, wer Hilfe braucht.
Morgen werden wir mit Jesus nach Jerusalem ziehen.
Bei Menschen am Rande
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