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Vom Empfangen
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Heute kehren wir mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem bei zwei Frauen ein. Jesus kennt sie offenbar gut, denn sie werden mit Namen genannt:
Maria und Martha. Sie freuen sich auf seinen Besuch, sie haben Jesus beide sehr gern und wollen es ihrem Gast so angenehm wie möglich machen. Aber die beiden Schwestern haben jede ihren eigenen Kopf und sehr unterschiedliche Auffassungen davon, was ihrem Gast gut tun könnte. Martha will ihn mit einem guten Essen erfreuen, Gäste muss man großzügig versorgen, anders kann sie sich Gastfreundschaft nicht vorstellen.
Maria hält ein anregendes Gespräch für die bessere Aufmerksamkeit, jedenfalls bei einem Gast wie Jesus. Hat er nicht immer wieder gesagt, dass er sich um die äußeren Dinge des Lebens, um Kleider, Essen und Trinken keine Sorgen macht, weil er Gott wie einem Vater vertraut, der ihm das Notwendige zum Leben geben wird, wie eben ein guter Vater für seine Kinder sorgt. Und Jesus findet immer neue schöne Bilder, wie er sich Gott vorstellt und was er für die Menschen tut. Diese Worte geben Maria ein Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit, davon kann sie gar nicht genug bekommen.
Die beiden Schwestern haben ihre Meinungsverschiedenheiten nicht ausdiskutiert, sondern jede tut das, was sie für richtig hält. Martha kümmert sich um das Essen, Maria sitzt bei Jesus und hört ihm zu. So kommt es, wie es kommen muss: Nach einiger Zeit platzt der tüchtig-tätigen Martha der Kragen. Sie beklagt sich bei ihrem Gast über das unmögliche Verhalten ihrer Schwester: Sag ihr doch, sie soll mir helfen.
Wer nun erwartet hätte, dass Jesus wie ein höflicher Gast eine geschickt vermittelnde Antwort geben, also mindestens die Bemühungen der rührigen Martha anerkennen würde, der sieht sich getäuscht. Jesus nimmt Maria gegen Martha in Schutz: Maria hat tatsächlich erkannt, was wichtig ist. Das soll niemand kritisieren sagt er und meint: Maria lässt sich nicht durch die Sorgen um das alltägliche Leben ablenken, sie sucht nach dem, was ihr Leben wirklich bestimmt und hofft es in meinen Worten zu finden. Was aber sollte denn so viel wichtiger sein als die zuverlässig-emsige Gastfreundschaft der Martha?
Lukas schreibt darüber hier nichts weiter, aber in seinem Schweigen liegt seine Stellungnahme: Die Mühe der Martha ist gewiss nicht zu verurteilen, aber alles Schaffen und Machen eines Menschen lenkt die Aufmerksamkeit nur auf den, der schafft. Jesus aber spricht immer wieder von Gott als dem Vater aller Menschen, der für alle liebevoll sorgt. Wenn man sich allzu sehr um das eigene Leben sorgt, kann man vergessen, dass alles zum Leben Notwendige zuerst empfangen wird. Auch die ersten Zeichen der Nähe, die Worte der Mütter, der Schutz der Väter, am Anfang des Lebens geht nichts aus eigener Kraft, und auch erwachsene Menschen leben zuerst von den elementaren Vorgaben, von Licht, von Luft, von Liebe.
Aktive Gestaltungskraft gilt auch heute als besonders wichtig. Wer nichts leisten kann, meint schnell, er sei wertlos. Und doch wissen wir, dass sich niemand sein Leben selbst gegeben hat und auch jede wirklich wertvolle Leistung auf Anregungen beruht, die man empfängt.
Morgen werden wir mit Jesus nach Jericho wandern.
Vom Empfangen
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