Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.08.10, Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost

Bei einfachen Leuten

Liebe Hörerin, lieber Hörer! Sommerzeit ist Reisezeit. Wenn Sie aber nicht reisen können, dann begleiten Sie mich doch in dieser Woche auf einer Fahrt mit Lukas

als Reiseführer. Der Evangelist Lukas ist ja zweifellos der meistgelesene Reiseschriftsteller der Weltgeschichte, seine beiden Bücher, das Evangelium und die Apostelgeschichte, sind Teile des Neuen Testaments. Sie sind voll von anschaulichen  Reisebeschreibungen und spannenden Geschichten. Im Evangelium erzählt Lukas unter anderem, wie Maria und Joseph zur Volkszählung in Josephs Heimatstadt Bethlehem wandern, dort wird ihr Sohn Jesus unter kümmerlichen Umständen geboren; später, als Jesus 12 Jahre alt ist, nehmen sie ihn mit zur Wallfahrt zum Tempel nach Jerusalem. Das Leben des erwachsenen Jesus schildert Lukas anfangs als Wanderschaft durch seine Heimat rund um den See Genezareth im Norden Israels und später als Weg in den Süden, nach Jerusalem. In seiner Apostelgeschichte erzählt Lukas in vielen einzelnen Geschichten, was Petrus, Philippus und vor allem Paulus auf ihren weiten Wanderungen im Dienst des Evangeliums erlebten.

Wer Lukas liest, erfährt einiges über die Menschen, mit denen Jesus lebte, und bekommt eine Ahnung von der Wirkung Jesu und seiner Botschaft. Denn das fragt man sich heute erst recht: Warum hat dieser Jesus so stark auf die Menschen gewirkt, dass noch nach zweitausend Jahren von ihm die Rede ist?  Was sagen die Berichte des Lukas über Jesus und seine Botschaft?

Bei den einfachen Leuten hat alles angefangen, das ist die erste Überraschung. bei Fischern am See Genezareth, bei Simon und seinem Bruder Andreas, die nach einer mühevollen Nacht auf dem See am Strand enttäuscht ihre Netze ausspülen, wieder einmal nichts gefangen. Jesus kommt vorbei und hinter ihm her viele Leute, die ihn sehen und hören wollen, weil er in Nazareth, wo er wohnte, Aufsehen erregt hatte durch seine Worte in der Synagoge und sein Wirken als Arzt. 

Da sieht er die Fischer und bittet sie um ihr Boot als Podium, damit ihn die Leute besser hören können. Und er stößt mit dem Boot ein Stück vom Ufer ab und spricht vom Boot aus zu den Menschen. Nach seiner Rede fordert er Simon auf, erneut, am hellen Tag, zum Fischen zu fahren. Und der Fang ist groß, überwältigend. Simon und Andreas müssen noch ihre Freunde, Johannes und Jakobus zu Hilfe rufen, um den Fang in zwei Booten zu bergen.

Eine völlig unerwartete Wendung: Gott wendet sich den einfachen Menschen zu, Leuten, die weder in der Religion Israels noch in der sozialen Ordnung ihrer Gesellschaft eine Bedeutung hatten. Und sie sind überwältigt von der ganz neuen Gottesvorstellung des Jesus von Nazareth, nicht als strengen Richter oder allmächtigen Weltherrscher zeigt Jesus ihnen Gott, sondern als barmherzigen Vater, der allen Menschen zum Leben helfen will. In Jesus begegnet ihnen Gott als die Liebe, die sich allen Menschen zuwendet, auch denen, die arm sind an Geld und Geist. Die Fischer waren so fasziniert, dass sie mit Jesus gezogen sind. Und später – nach seinem Tod - haben sie seine Botschaft in alle Welt getragen.

Morgen werden wir mit Jesus unterwegs bei Maria und Martha einkehren.

Audiobeitrag Bei einfachen Leuten


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