Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.08.10, Pfarrer Jönk Schnitzius

Glück ist nicht wichtig

„Glück ist nicht wichtig“, sagt George Vailant auf die Frage, was ein Menschenleben gelingen lässt. Vailant ist Psychiater und leitet die so genannte Grant Studie.

In dieser Studie verfolgen Forscher seit 1937 die Entwicklung von 268 Havard Absolventen der Jahrgänge 1939 – 1944, quer durch Krieg und Frieden, Karriere und Krankheit, Hochzeiten und Scheidungen. Sie versuchen Antworten zu finden auf die Frage, was ein Leben gelingen lässt.

Allerdings: Was ist denn das überhaupt – ein gelingendes Leben? Das kann man ja sehr unterschiedlich sehen. Die Forscher mussten einen Maßstab finden und haben beschlossen: Von erfülltem Leben wollen wir sprechen, wenn ein Mensch möglichst viele Bedingungen erfüllt, nämlich: alt ist und gleichzeitig körperlich und geistig weitestgehend gesund und wenn er zufrieden ist mit sich selbst.

Das Ergebnis nach 32 Jahren lautet nun: Den größten Einfluss darauf, ob ein Leben gelingt, hat Bindung. Sagt Vailant. Es gehe dabei nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen, und zwar im Sinne von Einfühlsamkeit und der Bereitschaft im „Wir“ zu denken, statt nur im „Ich“.

Glück, verstanden als momentaner Gemütszustand hingegen spiele, wie gesagt, kaum eine Rolle. Auch habe - so ein Ergebnis der Untersuchung – eine unglückliche und triste Kindheit wenig Einfluss auf die Zukunft. Denn: Viele Teilnehmer mit seelischen Problemen erholten sich im Laufe der Jahre. Die Spuren der schweren Kindheit verschwanden, es gab keinen nachweisbaren Einfluss mehr auf Zufriedenheit, Gesundheit und Lebenslänge. 

Also ist das wohl nicht so selten: gelingendes Leben, trotz schwerer Kindheit. Wie gesagt: Ergebnisse, die auf 32 Jahre Leben bei über 200 Menschen zurückschauen.

Mir macht das Mut. Denn ich glaube, dass es für Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt. Auch die nicht, die aus hochbelasteten Familien kommen und deren Kinder schon lernen: „Ich bin Hartz IV“.

Allerdings – auch da ist die Studie überraschend eindeutig – ist die Auswirkung von Alkohol und dessen schädlicher Folgen im Bewusstsein der Menschen stark unterbewertet. Gott traut uns Menschen viel Entwicklung zu. Offensichtlich zu Recht, denn Menschen müssen nicht zum Opfer ihrer Vergangenheit werden.

Es ist ja auch immer eine Frage des Blickwinkels: Ich kann auf andere Menschen und auf mich schauen mit der Frage: Was habe ich, was haben sie, immer noch nicht geschafft, - oder ich nehme wahr: Das was jetzt ist, ist das, was ich, was sie bereits schaffen.

Und das ist – bei Licht betrachtet – in der Regel viel und nicht selbstverständlich. Und das Glück? Bleibt Glück, wenn es Glück ist. Nicht mehr und nicht weniger. Bei Gott und den Menschen geht es um Bindung. Du und ich. Um Wir. Um mitfühlen. Das allerlings, kann Glück sein.

Audiobeitrag Glück ist nicht wichtig


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen