Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.08.10, Pastorin Beate Raguse

Zuhause

Julius geht in die Kindergarten-Gruppe Senfkorn. Oma Greta wohnt im Altenheim Maria Frieden und im Urlaub fahren wir ins Hotel Sonnenseite.

Es gibt kaum noch  ein öffentliches Gebäude, ein Ferienhaus, eine Einkaufspassage, die nicht einen -möglichst klangvollen- Namen trägt.  Ein Haus ist mehr als ein Dach über dem Kopf, besagen sie. Es ist ein Ort des Zusammenseins, der von einem bestimmten Geist geprägt ist- oder zumindest sein soll. Landluft, Villa Kunterbunt, weißes Haus stehen für ein freies Leben, für eins, das sich vom alltäglichen unterscheidet. Das Haus wird zum Hoffnungsträger.

In der Bibel hat das Haus oft eine symbolische Bedeutung. Es steht für Geborgenheit. Zum Beispiel  im 23. Psalm, wo es heißt „ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“. Es steht für die Familie, für das Zuhause.

Auch im Gleichnis von den drei Häusern, einer der bekanntesten Geschichten des Neuen Testaments. Jesus erzählt von einer Familie. Sie lebt in Haus Nr.1. Wir erfahren nichts Näheres über sie, über ihr Zusammenleben. Das erste, was wir hören; ein Sohn kommt in die Pubertät, will eigene Wege gehen und verlässt das Haus. Das unbekannte Neue ist verlockender als das Bewährte. Er nimmt alles mit, was er kriegen kann und zieht los.

Wohin er als erstes kommt, das wird bis heute in manchem Kindergottesdienst ganz wunderbar ausgeschmückt. Der Sohn landet im Wirtshaus, am Tisch sogenannte Freunde. Die Tafel reich gedeckt und die Gläser randvoll gefüllt. Doch die Stimmung trügt. Als das Geld weg ist, ist Schluss mit lustig. Er bleibt einsam zurück.  

So kommt der nächste Ort ins Spiel. Ein Bauerhaus, in dem er Arbeit sucht und findet. Nur einen Mindestlohn, den gab’s vor 2000 Jahren  auch nicht.  Seine Einkünfte reichen nicht mal für das Lebensnotwendige, nicht für die Stillung der Grundbedürfnisse. Der Sohn leidet. Er ist am Ende.

Doch die Erzählung von den drei Häusern –bekannter als die vom verlorenen Sohn- sie geht weiter. Der junge Mann entscheidet sich gegen seinen Stolz, gegen seine Angst vor dem Spott der anderen, zurückzukehren. Die Geschichte nimmt ein gutes Ende.
Nicht nur weil er wieder ein Dach über dem Kopf hat, sondern wegen der  Art und Weise, wie er aufgenommen wird. Kein „hab’ ich Dir doch gleich gesagt“, keine herablassende Haltung. Nur ein Entgegenkommen, Freude darüber, dass der andere da ist. Und Menschen, die ihren Teil dazu tun, denjenigen, dem es so schlecht ergangen ist, wieder auf die Beine zu helfen.

Ich habe einige Leute gefragt; hätten die Häuser in der Geschichte Namen, wie würden sie wohl heißen? Es war erstaunlich, wie viele Antworten es gab. Namen für Häuser, in denen vor allem Geld zählt oder Arbeitskraft.

Und das dritte Haus? Das, das zum Zuhause wird. Einer meinte, es sollte Liebe heißen, denn das wäre doch Liebe; einen, dem es schlecht ergangen ist, wieder aufzurichten. Einer meinte, es sollte Himmel heißen, denn auf der Erde würde es solch ein Haus nicht geben.

Ich glaube, dass es solche Häuser gibt. Im privaten wie im öffentlichem Leben. Häuser, in denen Menschen einander wertschätzend begegnen. Orte, wo Menschen das Gefühl haben, hier kann ich so sein wie ich bin, hier gehöre ich hin. Und wo manchmal auch das passiert, was am Ende des Gleichnisses steht; sie fingen an, fröhlich zu sein. 

Audiobeitrag Zuhause


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