|
In der Kirche tanzen
O - Ton1: Tanzend durchschreite die Räume, schwingend durchspringe die Lüfte, schleifend ertaste den Boden, keuchend verlasse das Denken, schwitzend spüre den Körper!
So durchtanze das Haus dieser Erde - so sei gesegnet, Tänzerin und Tänzer.
Autorin: Zum freien Tanzen und Bewegen lädt zum dritten mal die evangelische Kirche in Krefeld ein. Church Moves heißt die Veranstaltung, was Kirche bewegt sich heißt oder auch Bewegung im Kirchraum. Eine Vieldeutigkeit, die dem Konzept entspricht; Kirche soll offen erlebt werden. Joachim Watzlawik, Kulturpädagoge an der Friedenskirche, möchte die Besucher motivieren,
O-Ton 2: ihre Kirche, ihren Raum sich auch ein Stück zu nehmen. Sie können in alle Bereiche hineingehen, sie halten sich im Chorraum auf, sie gehen rauf auf die Empore, sie entdecken vielleicht Fenster oder Ornamente... Sie sollen ihr Tempo und ihre Schritte und ihre Bewegungen selbst bestimmen können.
Autorin: Eingeladen hat auch Katrin Meinhard. Die Krefelder Frauenreferentin will in ihrer Arbeit nicht nur Vernunft und Verstand ansprechen. Der Glaube sei etwas, was Körper, Geist und Seele berühre. Beim Tanzen könne der Glaube in Bewegung kommen.
O-Ton 3: Für mich ist Tanz eine Ausdrucksform des Lebens und im Tanz kann einfach vieles spürbar und lebendig werden.
Autorin: Dazu reicht es schon:
0-Ton 4: Einfach mal wirklich durch die Kirche zu gehen und nicht nur das zu tun, was angesagt wird, sondern aus sich heraus selbst etwas zu tun. Das ist ne ganz andere Erfahrung, denke ich, für manche.
Autorin: Hanna Agurski, Tänzerin und Tanztherapeutin legt die Musik auf. Nehmt den Raum wahr, Spürt nach, wie ihr hier seid, Kommt langsam in Bewegung, regt sie an. Doch schon bald sind keine Worte mehr nötig. Die rund 20 Männer und Frauen nehmen sich mehr und mehr die Freiheit zu tun, wonach ihnen ist. O-Ton 5: Ich finde es einfach unheimlich gut, wenn man sich hier bewegen kann, so wie du dich fühlst, so wie du bist, mit allen deinen Facetten.
und das die Kirche es hier ermöglicht zu tanzen, egal, welchen tanz und egal wie, das finde ich schon sehr, sehr schön.
Autorin: Ein Mädchen flitzt die Wendeltreppe hinauf und hinunter, auf der Empore tanzt eng umschlungen ein Paar, drei Frauen improvisieren im Chorraum. Der Mann im weißen Hemd, der sich zu Beginn eher im Verborgenen bewegte, probiert, wie es ist, ein Bein über die Brüstung zu hängen. Eine Frau tanzt auf den Stufen im Altarraum.
O-Ton 6: Also durch dieses Tanzen kommt man natürlich überall rum in der Kirche und ich finde, das hat schon was. Es wird selbstverständlicher und gehört mehr so zu meinem Leben als wenn man da jetzt nur so zum Konzert zum Beispiel hineingeht......Es wird durch die Art dadrin wie wir experimentieren ein Teil von mir.
Autorin: Auch Joachim Watzlawik bleibt als Initiator nicht außen vor. Freimütig erzählt er von seinen ganz persönlichen Erfahrungen bei solchen Tanzveranstaltungen:
O-Ton 7: Und merke für mich selber, wie schwer mir das fällt, sich selber nicht mehr beobachten, sich frei zu machen, dass andere einen möglicherweise dabei sehen, wie man sich bewegt. Also so das sind ja Befreiungsschritte, also wenn ich das hier in diesem Kirchraum lernen kann, dann ist das schon was tolles.
In der Kirche tanzen
|