Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.08.10, Mark Pollmeier

Jesus sein

Die redet und redet und redet. Hört einfach nicht auf zu quatschen. Ich sitze in einem blauen Golf, der mich von Berlin nach Düsseldorf bringen soll.

Eine Mitfahrgelegenheit, der Fahrer klang am Telefon ganz nett. Dummerweise hat er nicht nur mich mitgenommen – sondern auch Ilka. Ilka sitzt auf der Rückbank, und seit wir Berlin verlassen haben, erzählt sie uns aus ihrem Leben.

Ich weiß inzwischen, dass sie in Hildesheim Kulturwissenschaften studiert. Dass ihre Mutter Brustkrebs hatte, es inzwischen aber gepackt hat. Ich weiß, dass Ilkas Freund was mit einer anderen hatte. Deshalb hat Ilka ihn verlassen, jetzt ist sie aber wieder mit ihm zusammen. Und will nun ausgerechnet von uns wissen, ob das wohl in Ordnung ist. Ich seufze innerlich: bin ich Jesus oder was? Was geht mich deine Beziehung an?

Nein, ich bin sicher nicht Jesus. Denn der hätte Ilka zugehört. Die Bibel ist voll von Geschichten, wo wildfremde Menschen mit ihren Sorgen zu Jesus kommen und dann getröstet oder geheilt weiterziehen.

Wir gehen immer davon aus, dass man die wichtigen Dinge im Leben mit dem besten Freund oder in der Familie bespricht. Aber wer weiß, vielleicht gibt es Situationen, in denen ist ein interessierter Fremder der bessere Zuhörer. Weil er neutral ist, nicht vorbelastet. In solchen Situationen kann jeder Jesus sein. Zumindest ein bisschen.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Jesus sein


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