Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.08.10, Pfarrer Matthias Köhler

Sommermärchen

Nee, was war das wieder schön. Das Sommermärchen 2010. In diesem Sommer macht es doch wieder mal richtig Spaß in Deutschland zu leben.

Erst Lena, die mit ihrem Lied ganz Europa gerockt hat. Jung, fröhlich, locker, natürlich. Überhaupt nicht überkandidelt oder aufgebrezelt. Und dann die WM. Total sympathische junge Männer, denen es Spaß macht, in einem internationalen Turnier Fußball zu spielen.

By the way international: Unsere Nationalelf war zumindest sprachlich international: Müller, Özil, Boateng, Gomez und Podolski – das ist Deutschland! In der Welt angekommen. Und dann das Traumwetter! Sonne satt- fast als ob man selber in Afrika dabei wäre.

Viel zu schön, um drinnen vor dem eigenen Fernseher zu sitzen…Wo haben Sie die Spiele geguckt? Waren sie auf einer der Fanmeilen? Oder im Biergarten? Oder im Garten mit den Nachbarn zusammen?

Ich fand’s großartig. Die Stimmung, die Partyatmosphäre…Vermissen sie dieses Gefühl nicht auch ein bisschen? Ein Fußballspiel wird zum Anlass, sich mit Fremden und mit Freunden und Nachbarn zusammenzusetzen. Zusammen anzustoßen, mitzufiebern, zu jubeln und zu schimpfen.

Bei uns im Gemeindehaus gab es ein public viewing. Ein paar Leute haben die Gemeinde, haben mich gefragt. Wir wollen nicht alleine gucken, wir wollen mit anderen zusammen Fußball gucken. Geht das nicht? Ihr habt doch ein so großes Gemeindehaus. Natürlich geht das – wenn ihr das möglich macht, war die Antwort. Der Raum ist da – aber organisieren müsst ihr das schon selber.

Und dann haben sich ein paar zusammengetan, Getränke und Knabbereien eingekauft, Stühle gestellt, Plakate gedruckt. Das war ein Riesenhappening! Von Spiel zu Spiel kamen mehr Leute. Und ich habe erfreut festgestellt, dass das Viele dabei waren, die nicht oft den Weg in unser Gemeindehaus finden. Endlich mal was los bei euch, hat einer mir gesagt.

Irgendwie schade, dass es das nur alle vier Jahre gibt. Ich könnte mir ein alljährliches Sommermärchen gut vorstellen…Vor allem in unserem Gemeindehaus. Jetzt müssen wir wieder vier Jahre darauf warten.

Obwohl – müssen wir? Warum eigentlich? Gut – die Deutschlandweite Stimmung mit Autocorso und Fanmeile, das dauert wieder vier Jahre. Aber auf die Stimmung von der Gartenparty, dem Gemeindehaus – da müssen wir nicht wieder vier Jahre drauf warten.

Das hängt an uns. Wir müssen es halt organisieren. Man kann Anlässe nutzen, die da sind: Geburtstagseinladungen, Gemeindefeste, Ausflüge…

Noch besser ist es aber die Anlässe selbst zu schaffen. Nicht warten auf die Einladung -  sondern die Nachbarn einladen. Gemeinsame Aktionen organisieren, auf die Beine stellen.
Nicht darauf warten, dass in der Gemeinde etwas angeboten wird, dass mich interessiert.

Selber organisieren. Der Raum ist da, die Unterstützung auch. Organisieren Sie sich ihr eigenes Sommermärchen. Rocken Sie Ihre Gemeinde vor Ort.  Bringen sie frischen Wind in die Kirchen, finden sie sich nicht ab mit dem verstaubten Angebot vor Ort, machen sie was Neues. Sorgen sie dafür, dass das Sommermärchen in ihrer Gemeinde lebendig wird und lebendig bleibt.

Audiobeitrag Sommermärchen


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