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In Gottes Namen fahren wir (eg 498)
Autorin: Sommerzeit ist Reisezeit. Was für uns in diesen Wochen eine Urlaubsreise ist, das war in früheren Zeiten eine Pilgerreise nach Jerusalem,
Rom oder Santiago de Compostela. Sie bot die Möglichkeit, in die Ferne zu schweifen und etwas Neues kennenzulernen. Manche Abenteurer wurden zu Berufspilgern. Sie pilgerten stellvertretend für andere. Spätestens seit Harpe Kerkelings Buch Ich bin dann mal weg ist es auch heute wieder modern zu pilgern. Gerne auf dem Jakobsweg, aber in diesem Jahr gibt es zum Beispiel auch eine Pilgerroute durch das Ruhrgebiet: Pilgern im Pott lautet das Motto dieses Angebotes im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010.
Choral 1 Track 3 Paul Hofhaimer (instrumental)
Autorin: Wie zum Wandern gehört auch zum Pilgern schon von jeher das Singen. Wer unter dem Stichwort Reisen im Evangelischen Gesangbuch sucht, der findet nur ein einziges Lied, ein Pilgerlied. Dieses alte deutsche Wallfahrtslied In Gottes Namen fahren wir ist ursprünglich ein Kreuzfahrerlied aus dem 12. Jahrhundert. Von ihm gibt es verschiedene Melodie- und Textfassungen.
Sprecher: In Gottes Namen fahren wir, auf dein Tröstung, Herr, hoffen wir. Gib Frieden uns in dieser Zeit, wend von uns alles Leid. Kyrieleis.
Choral 2 Track 18 (Johann Walter): In Gottes Namen fahren wir, auf dein Tröstung, Herr, hoffen wir. Gib Frieden uns in dieser Zeit, wend von uns alles Leid. Kyrieleis.
Autorin: Ursprünglich wurde das Lied bei Fahrten in das Heilige Land gesungen. Schon in der Dichtung Tristan und Isolt des mittelalterlichen Dichters Gottfried von Straßburg wird es erwähnt. Ursprünglich war es ein Kampfgesang der Kreuzfahrer, wenn sie auf die in ihren Augen Ungläubigen trafen. 1298 heißt es in einem Bericht von einer Schlacht:
Sprecher:
den leisen man zu velde sanc in gotes namen varen wir.
Autorin: Den leisen man zu velde sanc. Eine Leise ist ein einstrophiger geistlicher Gesang, der abschließt mit der Bitte Kyrieleis Herr, erbarme dich.
Choral 3 Track 2 (Heinrich Finck): Kyrieleis, Christe eleis, Kyrieleis.
Autorin: Solche Leisen sangen Gemeinden schon vor der Reformation in ihrer jeweiligen Muttersprache. Mit dem damals bekannten und beliebten Lied In Gottes Namen fahren wir rief man oftmals Heilige an. Deshalb passte es so gar nicht in die evangelische Lehre. Darum machte Martin Luther aus ihm ein Katechismuslied mit dem Titel Dies sind die heilgen zehn Gebot. Es war üblich damals, einer bekannten Melodie einen neuen Text zuzuordnen oder einem bekannten Text eine neue Melodie.
Choral 3 Track 2 (Heinrich Finck): Sanctus Petrus, der ist gut, der uns viel seiner Gnaden tut; Das gebietet ihm die Gottes Stimm. Fröhlich fahren wir dahin. Nun hilf uns, Maria, zu dir.
Sprecher: Sanctus Petrus, der ist gut, der uns viel seiner Gnaden tut; Das gebietet ihm die Gottes Stimm. Fröhlich fahren wir dahin. Nun hilf uns, Maria, zu dir.
Autorin: Der Liederdichter Nikolaus Herman, Kantor in St. Joachimsthal in Böhmen, war in seiner Zeit bekannt und von dem Reformator Martin Luther sehr geschätzt. Er schuf um 1560 den Text aus unserem Gesangbuch. Ein geistlichs Lied, für christliche Wandersleut hieß es damals. Mit dem Lied sollten Reisende Gott um seinen Schutz und seine Begleitung unterwegs bitten. Und das Kyrieleis, die Bitte um Gottes Erbarmen und Gnade, macht einem bewusst: ob unsere Reisen und Urlaube, wie unser Leben überhaupt, zu einem guten Ende kommen, haben wir nicht in der Hand. Da müssen und dürfen wir uns auf Gott verlassen.
Choral 4 Track 46 (Praetorius, instrumental)
Sprecher / (1. Strophe): In Gottes Namen fahren wir, sein heilger Engel geh uns für wie dem Volk in Ägyptenland, das entging Pharaonis Hand, Kyrieleis.
Autorin: Gott hat einst dem Volk Israel nach dessen Befreiung aus Ägypten durch einen Engel den Weg ins gelobte Land gezeigt. So wie dieser Engel verhindert hat, dass die Fliehenden beim Durchzug durch das Rote Meer von den Truppen des Pharao wieder eingefangen wurden, so soll Gottes Engel auch die Reisenden wohlbehalten an ihr Ziel bringen. Um diesen Schutz Gottes bittet jeder Christ letztlich für seinen ganzen Lebensweg. Die Bitte findet sich deshalb auch in Luthers Morgen- und Abendsegen: dein heilger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Choral 1 Track 3 (Paul Hofhaimer, instrumental)
Sprecher: (2. Strophe): Herr, du wollst uns Geleitsmann sein und mit uns gehen aus und ein Und zeigen alle Steig und Weg, wehren dem Unfall auf dem Weg. Kyrieleis.
Autorin: Eine Pilgerfahrt kostet viel Zeit und Mühe. Man läuft, bis man erschöpft ist. Früher fing man sich manche Krankheit ein und hatte Angst, Räubern in die Hände zu fallen. Manch einer überlebte die Reise nicht. Mit einem Lied auf den Lippen lassen sich die Strapazen besser ertragen. Neben der inneren Einstimmung und Meditation war das immer schon der Grund dafür, unterwegs zu singen.
Choral 5 Track 4 (Heinrich Isaac): So singen wir Halleluja. Halleluja singen wir dem werten Gott vom Himmelreiche. Kyrieleis.
Autorin: Gesungen wurde auch am Abend in den Herbergen. Meist einstimmig ohne Begleitung. Es sei denn, jemand hatte sein Instrument dabei. Die Besetzung hing also davon ab, was für ein Instrument gerade greifbar war. Eine Schalmei oder eine Fidel, wie in unserer Aufnahme, eine Rauschpfeife, eine Drehleier oder Harfe oder diverse Schlag- und Geräuschinstrumente.
Choral 1 Track 3 (Paul Hofhaimer, instrumental)
Sprecher: (3. Strophe): So wird kein Berg noch tiefes Tal, kein Wasser irrn uns überall; froh kommen wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort.
Autorin: Gott wird dafür sorgen, dass ich gut ankomme. Die Gewissheit von Menschen damals wie heute scheint hier durch: Reisende sind nirgends sicher, weder zu Land noch auf dem Meer oder in der Luft. Der Vers erinnert an den 23. Psalm: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Sprecher: (4. Strophe): Herr Christ, du bist der rechte Weg zum Himmel und der ein´ge Steg; hilf uns Pilgern ins Vaterland, weil du dein Blut hast dran gewandt. Kyrieleis.
Autorin: Was wir auf Reisen gebündelt erleben können an Abenteuern, an neuen Eindrücken, an Unfällen, Risiken und Gefahren, an Begegnungen, das gilt auch für unser Leben insgesamt. Und auch die Erfahrungen, die wir unterwegs beim Pilgern sicherlich besonders intensiv- mit Gott machen, können wir auf unsere gesamte Lebenszeit übertragen. Denn unser ganzes Leben ist eine einzige Reise hin zu Gott. Und wer in den Fußstapfen Jesu marschiert, der wird auf dem Weg bleiben und sich nicht verlaufen.
Choral 1 Track 3 (Hofhaimer instrumental)
Autorin: Unser Lied ist heute eher unbekannt. Einst kannten es nicht nur fromme Pilger. Es war fast schon ein Synonym für auf Fahrt sein überhaupt. Deswegen taucht es in einem parodistischen Gedicht des 14. Jahrhunderts auf, der Wiener Meerfahrt. Dort werden Bürger beschrieben, die so betrunken waren, dass sie glaubten, nicht in einer Laube, sondern auf einem Schiff zu sein.
Ob nun Ihr Urlaub, liebe Hörerinnen und Hörer, dieses Jahr eher einer Pilgerfahrt gleicht, der Erholung dient oder dem Vergnügen oder ob sie sich zuhause bewegen. Das Lied In Gottes Namen fahren wir möge Sie als Reisesegen durch diesen Sommer begleiten.
Choral 6 (Max Reger): In Gottes Namen fahren wir, seiner Gnaden begehren wir, nun helf uns die Gotteskraft und das heilige Grab, da Gott selber inne lag. Kyrieleis.
Musikinformationen:
1) CD: In Gottes Namen fahren wir. Pilgerlieder aus Mittelalter und Renaissance Gesang und Instrumentalbegleitung: ODHECATON Ensemble für alte Musik, Köln
Choral 1: In Gotes Namen fahren wir Dichter/Komponist: Paul Hofhaimer Text und Melodie aus: Trium vocum carmina, 1538
Choral 2: In Gottes Namen fahren wir/Auf dein Tröstung, Herr, hoffen wir Dichter/Komponist: Johann Walther Text und Melodie aus: Wittenbergisch geistlich Gesangbuch, 1551 (Dis sind die heilgen zehn gebot)
Choral 3: Sanctus Petrus der ist gut Dichter/Komponist: Heinrich Finck Text und Melodie aus: Schöne und außerlesne Lieder, 1536 (In gottes namen faren wir)
Choral 4: In Gottes Namen fahren wir Dichter/Komponist: Michael Praetorius Text und Melodie aus: Musiae Sioniae, 1610 (Dies sind die heilgen zehn Gebot)
Choral 5: Ach Sanctus Petrus wohn uns bei Dichter/Komponist: Heinrich Isaac Text und Melodie aus: Ms. Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbesitz (um 15.00) (In gottes namen faren wyr)
2) Choral 6 Musiktitel: Acht geistliche Gesänge, op 138, In Gottes Namen fahren wir, op 138, 5 Komponist: Max Reger Dichter: Kreuzfahrerlied Chor: Thomanerchor Leipzig Leitung: Georg Christoph Biller
Literaturangabe zur Choralandacht
Hans-Christian Drömann, 498 In Gottes Namen fahren wir, in: Gerhard Hahn/Jürgen Henkys (Hg.), Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 9, Liederkunde zum EG, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, S. 29-33
Dieter Klöckner, In Gottes Namen fahren wir, Pilgerlieder aus Mittelalter und Renaissance, Beiheft gleichnamige CD, S. 13-22
In Gottes Namen fahren wir (eg 498)
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