Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.07.10, Pfarrerin Barbara Schwahn

Von Reisemuffeln und Drückebergern

„Zum zweiten Mal sagte der Herr nun zu Jona: Geh nach Ninive, der großen, weltbekannten Stadt, und rufe dort aus, was ich dir aufgetragen habe.

Liebe Hörerinnen und Hörer, nicht jeder verreist gerne. Es gibt Reisemuffel. Zu aufregend, zu ungewiss, was einen erwartet, zu anstrengend. Mancher bleibt lieber zuhause im Garten oder auf dem Balkon und schläft im eigenen Bett. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Wenn so jemand sich aber dann doch mal aufmacht, dann erlebt er oft viel und kommt zu dem Schluss: Es hat sich gelohnt.

Dasselbe gilt, wenn jemand etwas erledigen soll, wenn er einen Auftrag bekommt. Da schreit nicht jeder sofort hier. Da fallen einem schon mal tausend Ausreden ein, weshalb man etwas nicht in Angriff nimmt. Wer am PC arbeiten müsste, stellt fest, die Fenster müssten mal wieder geputzt werden. Also wird die geistige Arbeit verschoben. Wer jemandem eine unangenehme Nachricht überbringen muss, der wartet schon mal bis auf den letzten Drücker, manchmal bis es zu spät ist und der andere es womöglich schon aus anderer Quelle erfahren hat

So erging es auch Jona. Er bekam von Gott den Auftrag, den Menschen in Ninive mitzuteilen: Wenn ihr euren Lebenswandel nicht ändert, zerstöre ich Eure Stadt. Kein leichter Auftrag. Jona drückt sich und reist in die entgegen gesetzte Richtung. Aber er wird auf seiner Reise von Unheil verfolgt. Das Schiff, auf dem er nach Tarsis fährt gerät in einen Sturm. Und ihm wird klar, solange er auf diesem Schiff war, würde es nicht aufhören zu stürmen. Das war Gottes Reaktion auf seinen Ungehorsam. Also lässt er sich von den Seeleuten über Bord werfen und der Sturm legt sich.

Aber Gott möchte ja nicht, dass Jona stirbt, sondern dass er seinen Auftrag erfüllt. Also schickt er einen großen Fisch, der Jona verschlingt und ihn nach drei Tagen wieder ausspuckt. In dieser Zeit im Fisch wird Jona klar, dass Gott ihn in die Fluten geschickt hat und ihn mithilfe des Fischs gerettet hat, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Ein Signal für ihn, dass Gott sein Leben in der Hand hält und mit ihm etwas vor hat, vor dem er sich nicht drücken kann. Und er verspricht Gott, ihm in Zukunft zu gehorchen. Nun bekommt er zum zweiten Mal den Auftrag, nach Ninive zu gehen. Und jetzt ist ihm klar, dass das sein Weg ist und kein anderer. Er geht und handelt.

Manchmal braucht es Zeiten, in denen man sich nicht bewegt. Oder die Schleifen die man dreht, die Umwege und die Irrwege, die man geht, damit einem dabei klar wird, es gibt keine andere Möglichkeit, als den ursprünglichen Weg einzuschlagen, als den Auftrag zu erledigen.

Manches Zögern, manches Sich drücken, mancher falsch eingeschlagene Weg im Leben ist wichtig. Solche Zeiten sind nicht umsonst. In ihnen setzen wir uns mit uns selbst auseinander und mit unserem Gott und seinem Willen. Damit wir hinterher überzeugter den Weg gehen, den Gott für uns vorsieht.

Audiobeitrag Von Reisemuffeln und Drückebergern


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