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Auf der Flucht
Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Liebe Hörerinnen und Hörer, manches Mal im Leben sind Menschen auf der Flucht. Und dafür gibt es viele Gründe.
Viele von Ihnen aus den früheren Ostgebieten Deutschlands haben es selbst erleben müssen, vor dem Feind zu fliehen. Unzählige Menschen sind auch heute auf der Flucht vor Kriegen oder Hunger in ihrer Heimat. Man kann vor vielem fliehen. Man kann auch vor sich selbst davonlaufen, vor seinen Gefühlen, aus einer Beziehung, vor einer Schuld, die man auf sich geladen hat. Es gibt die Redensart Die Flucht nach vorne antreten. Dann können wir nicht mehr hinter ein Ereignis, einen Schritt, den wir gegangen sind, zurück. Es bleibt nur noch der Weg nach vorne. Aber selten kann man das, wovor man flieht, wirklich hinter sich lassen. Meist holt es einen wieder ein. So lange, bis man es in Ordnung gebracht hat. Bis man mit sich, mit anderen oder auch mit Gott im Reinen ist.
Wer auf der Flucht ist, der macht so seine Erfahrungen, mit sich und mit anderen. Oft schlechte und davon mag man dann gar nicht mehr reden. Aber auch manche segensreiche. Auch Erfahrungen mit seinem Gott.
So ging es dem Urvater Jakob. Nach dem Alten Testament war er gleich zweimal auf der Flucht. Beim ersten Mal floh er vor seinem Zwillingsbruder Esau, dem er für das berühmte Linsengericht den Segen des Vaters abgeluchst hatte. Eigentlich stand er nämlich dem erstgeborenen Sohn zu und das war Esau. Jakob zog zu seinem Onkel und späteren Schwiegervater.
Und das zweite Mal floh er vor diesem Schwiegervater und dessen Söhnen, die eifersüchtig waren auf das, was Jakob aus seiner Mitgift gemacht hat. Auf seinen Reichtum. Und er kehrte wieder zurück nach Hause zu seinem Bruder. Beide Male macht er wichtige Erfahrungen. Auf der ersten Flucht träumt er von einer Himmelsleiter, auf der Engel Gottes zwischen Himmel und Erde auf und niedersteigen. Und er hört Gott sagen: Ich will dich segnen mit vielen Nachkommen und dich beschützen auf deiner Reise.
Das sagt Gott zu ihm, Jakob, der seinen Bruder betrogen hat! Ungeheuerlich. Gottes Zusagen hängen also offensichtlich nicht von unserem moralischen Lebenswandel ab. Und Jakob legt ein Gelübde ab: Gott, wenn du mich auf meiner Reise beschützt und mich am Ende wieder heil und vor allem in Frieden zu meinem Vater zurückführst, dann bist du mein Gott. Und das zweite Mal kämpft er eine Nacht lang mit einer Gestalt, weiß aber nicht mit wem. Auch die Ausleger rätseln, ob es wieder ein Engel Gottes war oder eine dunkle Macht, ein Dämon. Beide Arten von Kämpfen erleben Menschen. Jedenfalls geht Jakob aus seinem Kampf gestärkt hervor. Er lässt den Angreifer erst los, als der ihn segnet. Als der neue Kraft zum Leben auf ihn überträgt: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!
Auf der Flucht zu sein vor sich, vor anderen, birgt Gefahren in sich, Risiken. Aber auch die Chance, Gott zu erleben als den, der zu einem hält. Der einen wieder zu sich führen kann, wenn man gestrauchelt ist. Und der einen dazu bringen kann, wieder ins Reine zu kommen mit Menschen, an denen man schuldig geworden ist und Frieden zu finden. Auf der Flucht zu sein, bedeutet auch, unterwegs zu kämpfen mit Menschen, mit widrigen Umständen, im eigenen Inneren. Solche Kämpfe sind anstrengend, aber oft sehr segensreich. Mancher geht gestärkt aus solchen Strapazen hervor. Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
Auf der Flucht
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