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Liebe ist kein Zufall
Als die Bundesregierung im vergangenen Monat ihr Sparpaket verkündete, war der Zeitpunkt mit Bedacht gewählt. Eine Woche vor Beginn der Fußball-WM.
Dass da auch die Hoffnung hintersteckte, die absehbare Empörung werde im Getröte der Vuvuzelas und anschließend in der Reisewelle untergehen, darf man zumindest mal vermuten. Wenns so war, wars Essig. Weder Jogis Buben noch die Verteilung eines Drittels der Bevölkerung auf kilometerlange Blechlawinen hat etwas daran geändert, dass immer mehr Menschen mit immer mehr Bauchschmerzen auf die immer bedrohlichere Spaltung der Gesellschaft reagieren und dass das auch öffentlich wird.
Im biblischen Buch der Sprüche heißt es: Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott. Davon sind wir meilenweit entfernt. Nicht etwa die Linkspartei, sondern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung stellt in einer Langzeitstudie über den Zeitraum von 2000 bis 2009 fest: Die Reichen werden trotz Krise immer reicher. Gleichzeitig wächst die Zahl der Armen. Und: immer mehr Menschen aus der so genannten Mittelschicht rutschen in niedrige Einkommensgruppen ab.
Es hat schon seinen makabren Sinn, dass ausgerechnet in solcher Zeit und vor solchem Hintergrund eine Plakatkampagne läuft, mit der die Internet-Partneragentur Elitepartner für ihre Dienste wirbt. Vielleicht sind Ihnen die gediegenen Porträts auch schon aufgefallen: Dolmetscherin Kosmopolitin. Jurist Golfer. Modedesignerin trendbewusst. Architekt Oldtimer-Bastler. Mit einem Wort: Was man heut halt so macht, beruflich und privat. Handgeprüfte Mitgliederprofile, wie die Homepage der Agentur versichert, die erste Adresse für anspruchvolle Singles, wie das Trendmagazin Max konstatiert, und das Ganze unter der Überschrift Liebe ist kein Zufall.
Das darf sie auch gar nicht sein. Denn wenn sich gottbehüte der Architekt, der in seiner Frei-zeit Oldtimer bastelt, rein zufällig in eine Frau verlieben würde, unter deren plakatierter Abbildung, wenn es sie denn gäbe, bloß stehen könnte: Hartz-IV-Empfängerin, alleinerziehend
nicht auszudenken. In diesem Land wird es immer schwieriger, seinen Lebens-unterhalt mit seiner Hände Arbeit zu bestreiten. Dem hat eine gewisse Sorte von Politikern nichts anderes entgegenzusetzen als den blöden Satz: Leistung muss sich wieder lohnen. Und wenn man darauf hinweist, dass das schon deshalb nicht funktioniert, weil unsere Gesellschaft in Teilsysteme zerfällt, die immer undurchlässiger werden, folgt prompt die ebenso blöde Warnung vor Gleichmacherei.
Dabei geht es darum gar nicht. Gerade Christen wissen natürlich sehr genau, dass Menschen alt und jung, tüchtig und hilfebedürftig, arm und reich sind. Aber eben in all dieser Unterschiedlichkeit ist jede und jeder Einzelne mit den ganz eigenen Stärken und Schwächen Gottes geliebtes Geschöpf. Der Apostel Paulus schreibt deshalb: Einer trage des anderen Last. So, und nur so, werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Das Gesetz Christi ist nämlich nicht bloß ein frommer Bewusstseinsinhalt. Sondern der sehr konkrete Ruf zu einer solidarischen Gestaltung des Lebens und Zusammenlebens. Wo Menschen daran arbeiten, ist dann die Liebe tatsächlich kein Zufall.
Liebe ist kein Zufall
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