Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.07.10, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Erste kleine Hoffnung (Loveparade)

Wenn man wissen will, wie das ist, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, muss man bloß in diesen Tunnel gehen. Die vielen Kerzen. Die Blumen.

Kleine Zettelchen mit einzelnen Namen. Ein Plakat, wo bloß „Warum“ draufsteht. Wütende Worte an die Politik. Täglich Tausende waren da drin, in Duisburg, seit einer Woche. Irgendwie ist die ganze letzte Woche in diesem Tunnel zu spüren. Das Entsetzen der eingekeilten Menschen. Die Verzweiflung der Angehörigen der Opfer. Die Angst der Verantwortlichen. Die zornige Häme derer, die es ja schon immer gewusst haben. Die Erschöpfung derer, die bis zum Umfallen geholfen haben. Und die Gewissheit: Weder Trauer noch Wut, weder Rücktritte noch Rechthaben machen die Toten wieder lebendig.

In dieser Situation hat die Kirche eine wertvolle Botschaft zu sagen. Sie steht nicht im Internet und in keiner Schlagzeile. Sie lautet: Gott lässt keinen fallen. Keinen einzigen. Sogar die Toten nicht. Das behauptet der christliche Glaube. Heute um 11 Uhr findet in der Duisburger Salvatorkirche ein großer Gedenkgottesdienst statt. Im Fernsehen kommt er auch, im Ersten. Da wird dieser Glaube zur Sprache kommen. Und wird vielleicht eine erste kleine Hoffnung spüren lassen: Dass Verletzte, Trauernde, Politiker, Journalisten, Ersthelfer, Polizisten und eine ganze erledigte Stadt trotz allem eine gemeinsame Zukunft haben. Ein Leben, das allen gemeinsam gehört. Weil alle Gottes Kinder sind.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Erste kleine Hoffnung (Loveparade)


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