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Ein protestantischer Katholik aus Köln
Im katholischen Milieu beheimatet, aber aus der Kirche ausgetreten. Einziger Literatur-Nobelpreisträger im Nachkriegsdeutschland,
aber des Friedens-Nobelpreises ebenso würdig. Mit seiner eigenen kirchlichen Hierarchie immer auf Kriegsfuß, aber mit den protestantischen Theologen Heinrich Albertz, Kurt Scharf, Helmut Gollwitzer und Dorothee Sölle stets in einem Atemzug genannt. Ideologischen Antikommunisten kann er nichts abgewinnen, aber der russische Literaturwissenschaftler Lew Kopelew findet bei ihm Asyl und herzliche Freundschaft.
Viele haben es längst gemerkt, nicht wahr? Ich rede von Heinrich Böll. Einem protestantischen Katholiken gewissermaßen.
1917 in Köln geboren, im Krieg 6 Jahre Soldat, und ab 1949 erscheinen seine Erzählungen, Romane, Satiren und Hörspiele. Gegen Wohlstandsdenken, Kapitalinteressen und lüsterne Gier der Medien stärkt er in seinen Werken Liebe, Glauben und Gewissen.
Aber Böll schreibt nicht nur, er engagiert sich. "Wir wollen die geborenen Einmischer sein" , sagt er, "wir wollen ein Bewohnbares Land suchen. Gewalt gibt es nicht nur auf den Straßen...es gibt auch Gewalt und Gewalten, die auf der Bank liegen und an den Börsen hoch gehandelt werden."
Und so ist er, samt seiner Frau Annemarie, immer dabei: auf Demonstrationen, Kundgebungen, Sitzblockaden. Mit dieser unvergeßlichen, vom Rauchen und vom Asthma rauh gewordenen Stimme im unverkennbar kölnischen Tonfall und mit dieser stets zuvorkommenden, stillen Höflichkeit.
"Mitleiden ist eine ungeheure Kraft", sagt er, "harte Herzen brechen leichter, als mitleidige." Im Herbst 1970 will er mit einer Gruppe von Christen im Kölner Dom eine nächtliche Gebetswache halten für zum Tode Verurteilte. Der Weihbischof will sie aus dem Dom heraushaben, sie sollen später, am Weltgebetstagwiederkommen. Darauf Heinrich Böll, ebenso fromm wie schlitz ohrig: "Aber Herr Bischof! Man kann doch Gethsemane nicht verschieben!"
Und immer wieder zeigt Böll, daß er im Grunde seine geistliche Heimat nie verlassen hat. Als Heinrich Albertz sich einmal etwas zu abfällig über den Milieu-Katholizismus äußert, sagt er: "Ach Heinrich, du Ordentlicher, du Gewissensprotestant, du Preuße! Bei uns ist es ganz unordentlich, fast archaisch, aber wärmer, bunter, heller."
Als Heinrich Böll am 16. Juli 1985, heute vor 25 ;Jahren, in seinem Eifeler Landhaus stirbt, läßt er zwar nicht den Pfarrer rufen, aber die Bibel liegt auf seinem Nachttisch, und ein priesterlicher Freund hält dem widerständigen Katholiken die Totenmesse. Bei seiner Beerdigung dann schreitet der Bundespräsident Richard von Weizsäcker hinter einer Gruppe Sinti und Roma einher. Danach war die kulturelle und politische Landschaft der Bundesrepublik um einen ihrer gewissenhaftesten und liebenswürdigsten Bürger ärmer.
Ein protestantischer Katholik aus Köln
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