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Ein Supermarkt trauert
Kann ein Supermarkt ein Gesicht haben? Ja, kann er. Richtig klar wird mir das, als es fehlt. An diesem Morgen ist alles anders.
Dort, wo mich als erstes Herr Schüller begrüßt, sind die Rollos runtergelassen. Daran ein Zettel; wegen Todesfall geschlossen. Ups, denk ich. Armer Herr Schüller, vielleicht seine Mutter. Oder? Nein, das kann nicht sein. Doch nicht Herr Schüller? frage ich den Blumenhändler. Er nickt. Gestern stand er noch da. Wie immer stand er gut gelaunt in seiner Lottoannahmestelle, machte älteren Frauen Komplimente, munterte den Lottospieler, der wieder mal nichts gewonnen hatte mit einem anzüglichen Spruch auf, diskutierte über das Fußballergebnis, lästerte über manchen Bildzeitungskäufer, kannte die Hälfte seiner Kunden mit Namen. Wie oft hatte ich mich gut gelaunt von ihm verabschiedet.
Wie betäubt gehe ich durch en Supermarkt. Ich will das nicht. Ich will, dass das ein Irrtum ist. Im Supermarkt ist es seltsam still. Still wie nie. Viele Kunden schieben ihren Wagen langsam durch die Gänge, erscheinen nachdenklich, in Gedanken versunken. Und klar; das Gedudel fehlt. Zum ersten Mal, seit ich hier einkaufe, werde ich nicht mit Werbung und dem Tageshoroskop beschallt. Im Stillen danke ich dem Marktleiter. Auch ein Supermarkt kann trauern.
Sprecherin: Alexa Christ
Ein Supermarkt trauert
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