Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.07.10, Pfarrer Titus Reinmuth

Farbe bekennen

Nun ist sie vorbei. Mit einem rauschenden Fest ging die Fußballweltmeisterschaft zu Ende. Keine Vuvuzelas tröten mehr auf den großen Plätzen beim public viewing.

Günter Netzer hat den letzten Kommentar gesprochen, und für die meisten beginnt jetzt der Alltag ohne Fußball. Für eine Weile noch wird man die schwarz-rot-goldenen Fähnchen an den Autos sehen oder die großen Flaggen vorm Balkon. Zur eigenen Mannschaft stehen und Farbe bekennen, das hat mal wieder Spaß gemacht. In den großen Städten war das Bild richtig bunt: Mal hupte ein deutscher Autokorso durch die Innenstadt, mal tanzten Spanier oder Italiener auf dem Marktplatz in der Abendsonne.

Farbe bekennen. Im Sport gehört das dazu. Spätestens seit dem Sommermärchen von 2006 zeigen die Menschen auch hierzulande ganz offen, zu wem sie gehören und wofür sie einstehen. Farben und Symbole gehören dazu, Lieder und Schlachtrufe – und nicht zuletzt das Gefühl, wir gehören zu einer großen Gemeinschaft.

Das hat auch etwas mit Glauben zu tun. Denn wir glauben an unsere Jungs, und die Mannschaft glaubt an ihre Fähigkeiten. Tatsächlich: Wer etwas schaffen will, braucht Vertrauen. Und wer an etwas glaubt, muss Farbe bekennen. Das gilt nicht nur im Sport.

In den Nachrichten sehe ich Bilder von einer Demonstration in Berlin. Junge Leute gehen für eine bestimmte Sache auf die Straße. Bunte Fahnen und Transparente in rot, violett, grün und gelb sind zu erkennen. Der Nachrichtensprecher berichtet von mehreren 10.000 Menschen in Berlin und Stuttgart gegen das Sparpaket der Bundesregierung auf die Straße gegangen sind. Im Hintergrund hört man die Lieder und Schlachtrufe der Demonstranten. Interessant, wie sich die Bilder gleichen.

Wird es bald weitere Demos geben? Was braucht es, um da mitzugehen? Na ja, ein bisschen Mut braucht es schon, seine eigene Meinung zu zeigen. Aber es ist auch ein tolles Gefühl, mit so vielen zusammen zu stehen, die alle für die gleiche Sache eintreten.

Farbe bekennen. Auch für die Kirchen gehört das dazu. Einige Nonnen sitzen draußen auf einem Weg und blockieren die Zufahrt zu ihrem Kloster. Davor ein Polizeiauto, das vorerst nicht durchkommt. Diese Frauen sind Christinnen, und sie scheuen keine Auseinandersetzung. Sie wollen eine Flüchtlingsfamilie schützen. Sie haben ihr im Kloster Asyl gewährt. Das war 2003 bei den Dominkanerinnen in Schwalmtal, Kreis Viersen. Die Polizei setzte sich durch. Aber die Ordensfrauen wurden später mit dem Aachener Friedenpreis ausgezeichnet. Weil sie mutig für andere eingetreten sind.

Farbe bekennen. Mal macht es Spaß, mal braucht es Mut. Manchmal konnte man in den letzten Wochen Fahnen an den Autos sehen, die nicht recht ins Bild passten. Zum Beispiel eine weiße Fahne mit einem lila Kreuz. Als Zeichen für die evangelische Kirche. Ein besonderer Farbtupfer im Meer der Nationen. Zum Glauben gehört das Farbe bekennen. Das geschieht jeden Sonntag in der Kirche.

Lieder und Symbole gehören dazu. Und manchmal geschieht es draußen auf der Straße. Wenn es um den Frieden geht oder um mehr Gerechtigkeit. Dann ist es gut, wenn Menschen Farbe bekennen und offen zeigen, woran sie glauben.

Audiobeitrag Farbe bekennen


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