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Geh aus, mein Herz, und suche Freud (eg 503)
Choral 1 / 1. Strophe: Geh aus mein Herz und suche Freud / in dieser schönen Sommerzeit / an deines Gottes Gaben; / schau an der schönen Gärtenzier /
und siehe wie sie mir und dir / sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.
Autorin: Geh aus, mein Herz und suche Freud! Wer das sagt, will sich und andere liebevoll locken. Raus aus dem Haus, weg vom Arbeitsplatz, heraus aus der Grübelei. Sieh doch mal, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein leichter Wind weht, komm und sieh, wie schön das alles ist. Riech den Sommer, schau seine Farben an und hör auf seine Klänge. Es tut gut, rauszukommen und die Welt zu sehen, die Gott für dich und mich schön geschaffen hat.
Choral 1 / Strophen 2 und 3:Die Bäume stehen voller Laub, / das Erdreich decket seinen Staub / mit einem grünen Kleide / Narzissen und die Tulipan, / die ziehen sich viel schöner an / als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.
Die Lerche schwingt sich in die Luft, / das Täublein fliegt aus seiner Kluft / und macht sich in die Wälder; / die hochbegabte Nachtigall / ergötzt und füllt mit ihrem Schall / Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.
Autorin: Dieser Sommergesang von Paul Gerhardt wurde wahrscheinlich 1653 in Berlin veröffentlicht. Dichten und Singen gehörten damals zum Leben wie heute Radio, Kino und Fernsehen. Zu Taufe, Geburtstag, Hauseinweihung und Beerdigung wurde gereimt. Paul Gerhard beherrschte sein Handwerk: seine Verse gehen leicht ins Ohr und ins Herz und sind doch genau bedacht und mit viel Kunstverstand gesetzt. Er greift mit diesem Lied auf, was unter den Berliner Bürgern Tagesgespräch war. Sie erkannten in der schönen Gärten Zier den Lustgarten, den der Kurfürst Friedrich Wilhelm seit 1645 bauen ließ. Da wurden Tulpen- und Narzissenzwiebeln gesetzt, Volieren für zwitschernde Vögel angelegt und anmutige Hirtenstatuen aufgestellt. Doch Paul Gerhardt führt seine Zeitgenossen über diesen Lustgarten hinaus. Seine sorgfältig gewählten Bildworte beschreiben die Erde als von Gott angelegten Garten.
Sprecher: Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen. (1. Mose 2,8.9a)
Choral 2 / Strophe 4: Die Glucke führt ihr Völklein aus, / der Storch baut und bewohnt sein Haus, / das Schwälblein speist die Jungen, / der schnelle Hirsch, das leichte Reh / ist froh und kommt aus seiner Höh / ins tiefe Gras gesprungen, ins tiefe Gras gesprungen.
Sprecher: (Strophe 4): Die Glucke führt ihr Völklein aus, / der Storch baut und bewohnt sein Haus, / das Schwälblein speist die Jungen, / der schnelle Hirsch, das leichte Reh / ist froh und kommt aus seiner Höh / ins tiefe Gras gesprungen.
Autorin: Es wimmelt hier von biblischen Bildern und christlicher Symbolik: Die fürsorgliche Glucke erinnert an Jesus: (Matthäus 23,37) Wie eine Henne ihre Küken so möchte er die Kinder Jerusalems behüten. Schwalbe und Storch sind Zugvögel. Sie bauen ihre Nester und signalisieren: Wir hoffen auf neues Leben. Der schnelle Hirsch, das leichte Reh, sie stehen für den Menschen, der Gott sucht. (Psalm 43) Die Taube - als Zeichen für den heiligen Geist kommt vom Himmel herab, und die Nachtigall steigt mit ihrem Lied zum Himmel empor wie die Loblieder des frommen Dichters. Die Narzissen und Tulpen am Liedanfang sind schöner gekleidet als jeder Herrscher, sei er nun König Salomo oder der Kurfürst. Da klingt die Bergpredigt an:
Sprecher: Schaut die Lilien auf dem Felde an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht. Auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet ist wie eine von ihnen. (Matthäus 6,28f)
Choral 2 / Strophe 7: Der Weizen wächset mit Gewalt. Darüber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte, das menschliche Gemüte.
Sprecher (Strophe 7): Der Weizen wächset mit Gewalt. / Darüber jauchzet jung und alt / und rühmt die große Güte / des, der so überfließend labt / und mit so manchem Gut begabt / das menschliche Gemüte.
Autorin: Der Weizen wächset mit Gewalt. Ob das einstige Himmelsbrot in der Wüste oder unser tägliches Brot Gott gibt es in Fülle, damit wir Menschen satt werden. Jung und alt müssen diese überfließende Güte Gottes rühmen. Sie lässt sich nicht begrenzen. Tiere und Pflanzen gehen aus sich heraus, schmücken sich, wachsen, fliegen, pflanzen sich fort und singen. Wer das sieht und hört, mit Augen und Herzen, der stimmt mit ein in den Gesang:
Choral 3: Strophe 8: Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.
Sprecher (Strophe 8): Ich selber kann und mag nicht ruhn, / des großen Gottes großes Tun / erweckt mir alle Sinnen; / ich singe mit, wenn alles singt, / und lasse, was dem Höchsten klingt, / aus meinem Herzen rinnen.
Autorin: Ich singe mit, wenn alles singt. Gemeinsam mit anderen zu singen, ist die schönste Form, Gott zu loben. Sie verlangt eine besondere Hingabe. Die Dichterin Eva Strittmatter beschreibt es so:
Sprecherin: Wenn einer singt, soll er nicht nur mit seiner Seele singen. (Dass er mit seiner Stimme singt, versteht sich von allein.) All seine Körperzellen müssen klingen. Verschleudern muss er sich. Es muss so sein, als hätte er für dieses Lied gelebt. Für diesen Augenblick, in dem er singt... (Eva Strittmatter, 1975)
Autorin: Dieser Augenblick ist Lebensfreude pur. Nicht nur für Paul Gerhardt. Wie wird es wohl erst im Himmel sein?
Choral / (Strophe 9): Ach, denk ich, bist Du hier so schön, / und lässt es uns so lieblich gehn / auf dieser armen Erden: / was will doch wohl nach dieser Welt / dort in dem reichen Himmelszelt / und güldnen Schlosse werden!
Autorin: Es ist schön im kurfürstlichen Berlin mit dem Lustgarten, an dem das Auge sich erfreut. Das Herz aber ahnt, dass da mehr ist. Wenn es schon auf der Erde im Sommer so schön ist, wie schön wird es dann erst sein, wenn das Leben bei Gott in Blüte steht: Ein güldenes Schloss wird´s da geben. Und Menschen und Engel, die zusammen zum Lobe Gottes singen:
Instrumentalmusik
Sprecher: (Strophe 11): O wär ich da, o stünd ich schon, / ach, süßer Gott, vor Deinem Thron / und trüge meine Palmen! / So wollt ich nach der Engel Weis / erhöhen Deines Namens Preis / mit tausend schönen Psalmen.
Instrumentalmusik
Autorin: Singen mit den Engelschören, das ist für Paul Gerhardt der Himmel. Da können die aufrecht stehen, die auf Erden gebückt gehen. Da sind die geheilt, die auf Erden leiden. Im Himmel, da verwelkt kein Leben. Da blüht der Sommer ewig.
Choral 1 / Strophe 13: Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt, / dass ich Dir stetig blühe; / gib, dass der Sommer Deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.
Autorin: Paul Gerhardt Glaubensfrüchte blühen in Gottes Garten. Voller Leichtigkeit und Schwung. Sie lassen Gläubige noch heute begeistert mitsingen. Und auch ich stimme ein und bitte Gott, mich zu einer schönen Blume und einem guten Baum zu machen. Nicht irgendwann. Sondern schon hier, diesseits von Eden.
Choral 1 / Strophe 14: Mach in mir Deinem Geiste Raum, / dass ich Dir werd ein guter Baum, / und lass mich Wurzeln treiben; / verleihe, dass zu Deinem Ruhm, / ich Deines Gartens schöne Blum / und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben
Musikinformationen:
Musik 1 CD-Titel: Choräle für die Kirche Track-Nr. 17+ Titel: Geh aus, mein Herz Text von Dichter: Paul Gerhardt Komponist: August Harder u.a. Chor: Vokalensemble Sennestadt unter der Leitung von: Dorothea Schenk
Musik 2 CD-Titel: Choräle und Motetten Track-Nr. 8+ Titel: Geh aus, mein Herz (Choral im Satz zu 3 -5 Stimmen) Text von Dichter: Paul Gerhardt Komponist: Klaus Neumann (1933, Satz)August Harder u. Walter Hensel, Chor: Rheinische Kantorei unter der Leitung von: Hermann Max
Musik 3 CD-Titel: Befiehl du deine Wege Track-Nr. 6+ Titel: Geh aus, mein Herz Text von Dichter: Paul Gerhardt Komponist: (CD-Str.5) Gerhard Schnitter (Satz) August Harder Chor: Solistenensemble unter der Leitung von: Gerhard Schnitter
Musik 4 CD-Titel: MusikTriennale Köln six ajoutés 2 Orgelkonzert mit Eisenberg Track-Nr. 4+ Titel: Improvisation Geh aus, mein Herz Komponist: Matthias Eisenberg (1956) Interpret: Matthias Eisenberg
Literaturangaben Zitate entstammen: Bibel nach Martin Luther und Eva Strittmatter, Wenn einer singt; in: Christian Brunners, Paul Gerhardt-Weg-Werk-Wirkung, Gütersloh 2006, S. 136
Geh aus, mein Herz, und suche Freud (eg 503)
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