| |
Gott oder Geld?
In God we trust wir vertrauen auf Gott. Seit 1955 steht dieser Satz auf allen Dollarnoten und-Münzen in den USA.
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, Gott und Geld passen die zusammen oder schließen sie sich gegenseitig aus in ihrem Anspruch auf Menschen? Jesus sah Geld und Gott als Konkurrenz. Ihr könnt nicht Gott und dem Geld dienen, sagte er. Als ein reicher junger Mann sein Freud werden wollte, empfahl Jesus ihm: Verkauf, was du besitzt, und gib das Geld den Armen. Der Mann konnte das nicht. Traurig verließ er Jesus.
Ich erkenne mich wider ihn ihm: meinen Wunsch nach materieller Sicherheit, nach einem Ort, wo ich mit denen, die mir lieb sind, gut leben kann. Dafür brauche ich Geld. Wäre Jesus mir begegnet, hätte ich wahrscheinlich auch wie der junge Mann meinen Sicherheiten mehr getraut. Und nicht dem Reich Gottes, für das Jesus eintrat mit Taten und Worten.
Jesus redete aber auch anders. Wenn er von Gott und Gottes Reich erzählte, dann sprach er auch von Geld. Und von Menschen, die damit umgehen. In seinen Geschichten kam Geld vor. Geld, das für Luxus ausgegeben wird oder in kleinen Münzen verschenkt wird. Jesus lebte mit Menschen, die wenig besaßen. Aber er hatte auch wohlhabende Bekannte. Die luden ihn ein in ihre Häuser. Sie aßen und tranken mit ihm. Ihre Geschenke nahm Jesus an. Und er forderte sie auf, Notleidenden mit Krediten zu helfen.
Geld gehörte zur Welt, in der Jesus lebte. Er respektierte, dass man Gutes damit machen kann. Aber er wusste auch, dass Geld Macht über Menschen ausüben kann. Eine Macht, die Gott verdrängt. Dagegen erhob er Einspruch. Menschen sollten bereit sein, ihr Geld für Leben einzusetzen. Und sie sollten sich von ihrem Geld trennen können.
Wir können mit Geld Gutes tun. Dieses Vertrauen hatten vor 30 Jahren die Mitglieder einer methodistischen Kirchengemeinde in der US-amerikanischen Großstadt Philadelphia. Im Umfeld der Kirche lebten viele arme Menschen, Schwarze oder Vietnamesen, Studentinnen und Alternative. Die meisten Wohnhäuser waren in einem schlechten Zustand. Es gab nur einen Supermarkt. Dort verkaufte man Lebensmittel zu überhöhten Preisen. Im Supermarkt und in der Bank arbeiteten Menschen, die nicht im Stadtteil wohnten. Ihnen war es gleichgültig, ob man in diesem Viertel gut leben konnte oder nicht.
Die Menschen, die zur Kirchengemeinde gehörten, wollten aber an diesem Ort gut leben. Dazu fehlte ihnen Geld. Deshalb gründeten sie eine eigene Sparkasse. Die Bewohner des Viertels konnten hier Geld sparen und kleine Kredite mit niedrigen Zinssätzen bekommen. Wer hier ein Haus renovieren, eine Bäckerei eröffnen, ein Lebensmittelgeschäft oder einen kleinen Betrieb gründen wollte, bekam Kredit. Wer außerhalb des Viertels lebte, bekam keinen Kredit, aber seine Spareinlagen waren hoch willkommen. Darum warben die Mitglieder der Kirchengemeinde in den reichen Kirchengemeinden der Vorstädte: Legt euer Geld bei uns an. Dann werden biblische Visionen Wirklichkeit: Arme geben Geld aus, Alkoholiker renovieren ihr Haus, Ausgebeutete machen Geschäfte, Arbeitslose finden einen Job und Hungrige können ihr Brot bezahlen.
Die Christen in Philadelphia nahmen Jesus beim Wort. Sie setzten Geld für Leben ein: sie nahmen es in die Hand, legten es an und investierten es. Nicht als Diener des Geldes, sondern als Diener Gottes. Liebe Hörerinnen und Hörer wie Gott und Geld sich zu einander verhalten, davon will ich Ihnen in dieser Woche noch mehr erzählen.
Gott oder Geld?
|