|
Fußball, Wembley und Vergebung
Ich kenne es nur aus dem Fernsehen, aber ist trotzdem immer noch sehr präsent: Der 30. Juli 1966 Fußball-WM in England.
Die 101. Minute: die Engländer kommen über rechts, Flanke nach innen, genau auf Geoff Hurst. Der Schuss knallt unter die Querlatte, von da springt der Ball fast senkrecht nach unten aber war er wirklich hinter der Linie? Im Tor der Deutschen stand damals Hans Tilkowski. Der ist sich sicher: der Ball war nicht drin. Doch der Linienrichter Tofik Bachramow sieht das anders: er gibt den Treffer. Deutschland verliert das WM-Finale am Ende mit 4 zu 2.
Hans Tilkowski hat das Wembley-Tor nie vergessen können. Über 40 Jahre lang trägt er seine Wut und Enttäuschung mit sich herum. Bis ihn der Deutsche Fußballbund im April 2009 zu einer Reise einlädt - nach Aserbeidschan, in die Heimat des Linienrichters von Wembley. Tofik Bachramow ist inzwischen verstorben, der wird aber in Aserbeidschan immer noch als Idol verehrt. An seinem Denkmal hält Tilkowski eine kleine Rede: er bleibe bei seiner Meinung, der Ball sei damals definitiv nicht drin gewesen und dann zitiert er aus der Bibel das Vaterunser: "und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Zum Schluss sagt er: "Tofik, wenn du noch leben würdest, hätten wir garantiert ein sehr interessantes Gespräch im Sinne des Fairplay.
Tilkowski hat nicht vergessen. Aber vergeben.
Sprecher: Daniel Schneider
Fußball, Wembley und Vergebung
|