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An Gott glauben im Zeitalter der Naturwissenschaften
Autorin: Ist das Universum ein Zufallsprodukt oder steckt ein Plan dahinter? Mit den Naturwissenschaften verbindet sich die Hoffnung, dies irgendwann in Gänze zu verstehen.
Dieses Wissen ist bis zu einem gewissen Grade Stückwerk und bleibt vor allem korrigierbar. Für die modernen Naturwissenschaften ist es völlig unerheblich, ob Gott existiert oder nicht. Und das ist auch ganz gut so, meint Dr. Frank Vogelsang, Leiter der evangelischen Akademie im Rheinland, der sich vor allem für die kritische Auseinandersetzung von Theologie und Naturwissenschaften interessiert.
O-Ton Vogelsang: Die Naturwissenschaften beziehen sich auf eine strenge Methode. Man will also die Welt erkennen, nicht indem man spekuliert oder indem man gute Ideen sammelt, oder in alten Büchern nachschlägt, sondern indem man die Welt mit bestimmten Methoden untersucht. Und diese Methoden sind Methoden, die davon ausgehen, man könne die Welt erkennen, jetzt sage ich es in Anführungsstrichen Als ob es Gott nicht gäbe.
Autorin: Naturwissenschaftliche Forschungen sind spannend. Sie reizen unsern Geist, versuchen ihn bis an die äußerste Grenze des Denkbaren und Verstehbaren zu treiben. Doch nicht als Hort der Wahrheit versteht sich die Wissenschaft, sondern als ein Verfahren falsche Annahmen über die Welt auszuschließen. Diese Instabilität des Erkennens wird aber in der öffentlichen Wahrnehmung gerne übersehen. Schönstes Beispiel die Vorstellung vom Urknall, meint Frank Vogelsang. Eines von vielen Modellen das Universum zu erklären. Und sicherlich das populärste:
O-Ton Vogelsang: Jeder versteht was ein Knall ist, und so weiß man eben auch was der Urknall ist, nämlich der erste und größte aller möglichen Knalle, die es geben kann. Das ist grundtief falsch denn der Urknall bezeichnet ein Geschehen, in dem sich der Raum von einem unendlichen kleinen Punkt an ausdehnt. Das ist außerhalb jeden Vorstellungsvermögen. Da ist offensichtlich da etwas Besonderes und man hat gerätselt, wie man das deuten kann und hat gesagt: Das sei ein Urknall, Big Bang. Das ist zunächst mal witzig und auch interessant und ganz harmlos. In dem Augenblick verliert es die Harmlosigkeit, indem es zu leben beginnt und sich im kollektiven Gedächtnis fortsetzt als die Erklärung, wie es nun wirklich war.
Autorin: Auch dieser Erklärungsversuch wird sicher einmal abgelöst werden von anderen. Wer die biblische Schöpfungsgeschichte gerne als Mythos abtun mag, übersieht leicht, dass wir uns moderne Mythen schaffen. Wie eben den besagten Urknall. Sicher ist, für die Wissenschaft ist Gott keine sinnvoll einsetzbare Größe. Es ist eine keine Versuchsanordnung denkbar, die Gott wissenschaftlich beweist. Im Gegenteil, wenn ich so über Gott verfügen könnte, und wenn es allein diese Tatsache der Verfügbarkeit wäre, dann hätte ich es nicht mit Gott zu tun. Diese Einsicht durchzieht auch die ganze Bibel.
O-Ton Vogelsang: D.h. Wir sind nicht Gott, wir gucken uns die Welt nicht von außen an, sondern wir gucken uns die Welt von innen an. Zum Beispiel sind wir Menschen, die alle das Gehirn brauchen. Ein bestimmtes Organ, um denken zu können. Also wir nutzen das, was wir erkennen wollen notwendigerweise um es zu erkennen.
Autorin: Wie also Gott erkennen im Zeitalter der Naturwissenschaft? Der englische Physiker John C. Polkinghome hat seine Antwort gefunden.
Sprecher: An Gott im Zeitalter der Naturwissenschaften zu glauben bedeutet die Gewissheit zu haben, dass "hinter der Geschichte des Universums ein Gedanke und eine Absicht stehen, und dass der Eine, dessen verborgene Gegenwart sich darin ausdrückt, (
) der Grund unserer Hoffnung ist"
Zitat: John C. Polkinghome, An Gott glauben im Zeitalter der Naturwissenschaften S. 10
An Gott glauben im Zeitalter der Naturwissenschaften
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