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Anbetung
Klöster sind beliebt. Nicht dass immer mehr Menschen Mönch oder Nonne werden wollen.
Aber ein Kloster als Ort des Rückzugs, der Meditation: Das ist ein Trend, der seit einigen Jahren anhält. Kloster auf Zeit, Kloster-Erholung, Urlaub im Kloster, Wellness für die Seele in einer Oase der Ruhe so oder ähnlich heißen die Angebote. Vielbeschäftigte Leute in verantwortungsvoller Position, häufig durchaus nicht kirchlich gebunden, suchen die Stille eines Klosters. Fragt man sie nach dem Grund, hört man als Antwort zum Beispiel: Hier kann ich zu mir selber kommen.
Ein offenkundiges Bedürfnis zahlreicher moderner Menschen: zu sich selber kommen. Aber wie geht das?
Wer zu sich selber kommen will, ist offenbar nicht bei sich selber, sondern woanders. Wer zu sich selber kommen will, sucht eigentlich das Nächstliegende. Und nimmt sich auf dieser Suche selbst doch ganz zurück. Der laute Alltagsbetrieb, in dem ich funktionieren soll, tritt in den Hintergrund. Stattdessen: Stille. Hören statt Reden. Hören worauf?
Zu einer Antwort auf diese Frage führt vielleicht die Art und Weise des Gebets, die wohl den meisten fremd ist: die Anbetung. Im Gebet um etwas bitten, das liegt nahe. Auch das Dankgebet ist nicht abwegig. Aber Anbetung? Gott anbeten wie macht man das? In der Bibel ist ganz selbstverständlich von Anbetung die Rede.
Sprecherin: Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat. (Psalm 95,6)
So fordert der 95. Psalm auf.
Liebe Hörerinnen und Hörer, ich bin sicher: Gottes Größe ist nicht von unserer Anbetung abhängig. Gott ist anders. Er ist so viel größer als meine Vorstellungskraft, dass ich mich ihm nur unvollkommen nähern kann. Und doch ist er uns nahe als Mensch, als Jesus Christus. Aus Liebe zu uns hat er alles menschliche Elend ertragen und auf sich genommen, ein für allemal. Gott, den wir nicht begreifen, wird als Mensch begreiflich. Diesen wunderbaren Widerspruch kann ich nicht auflösen. Andere vor uns haben ihn in Worte gefasst. Zum Beispiel der Kirchenliederdichter Gerhard Tersteegen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 165):
Sprecherin: Gott ist gegenwärtig. / Lasset uns anbeten / Und in Ehrfurcht vor ihn treten. / Gott ist in der Mitte. / Alles in uns schweige / Und sich innigst vor ihm neige.
Die Nähe Gottes spüren vielleicht ist das die schönste Form der Anbetung. Ich werde still und lasse Gott reden. Ich öffne mich und lasse ihn wirken. In all dem bitte ich Gott, dass ich dafür offen und empfänglich werde. Es ist ein Wagnis, dem ich mich voller Vertrauen aussetze, ein Paradox: Wenn ich ganz von mir absehe, lässt Gott mich selber finden. So ist die Anbetung verbunden mit einer Bitte: Gott, öffne mir Herz und Sinne für dich. Nimm alle innere Unruhe von mir. Gib mir Stille, damit ich dich hören kann.
Anbetung
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