| |
Beten - immer und überall?
Darf ich beim Beten rauchen?, fragte ein Mönch, ein Benediktiner, seinen Abt. Beim Beten rauchen?, empörte sich der.
Also das geht zu weit. Nein, beim Beten raucht man nicht. Ausgeschlossen.
Ein Jesuit war nicht minder fromm und rauchte nicht weniger. Doch er war ein Schlitzohr. Er fragte seinen Ordensoberen: Darf ich beim Rauchen beten? Ja, also dass du selbst beim Rauchen noch betest, freute sich der Vorgesetzte, das ist wirklich lobenswert. Selbstverständlich, lieber Bruder!
Beten immer und überall. Es ist eine Urform der Religion: das Gebet. Das Reden mit Gott.
Aber kann ich es wirklich immer und überall? In allen erdenklichen Situationen? Lieber Gott, lass mich diese Matheklausur nicht verhauen, betet morgens im Bus eine Schülerin, deren Versetzung auf der Kippe steht. Beten Sie, dass morgen schönes Wetter wird!, sagt der Dorfbürgermeister am Tag vor dem Schützenfest zum Pfarrer. Halb im Scherz, aber eben nur halb: Offenbar erhofft er sich vom Gebet des Geistlichen eine besondere Wirkung. Fromme Muslime beten manchmal mitten auf einer belebten Straße. Manche Fußballspieler knien sich vor aller Augen hin und beten auf dem Spielfeld.
Zum Beten gehören bestimmte Gesten. Christen falten meist die Hände: Vielleicht sind auch Sie mit dieser Gewohnheit aufgewachsen, liebe Hörerinnen und Hörer. Aber geht es nicht auch ohne? Knien, stehen oder sitzen gibt es die richtige Gebetshaltung?
Und wie soll ich Gott ansprechen? Und überhaupt: Kann man eigentlich auch falsch beten? Fragen über Fragen. Auf einige davon will ich im Lauf dieser Woche eine Antwort versuchen. Klar ist: Im Gebet kann ich mich ganz einfach an Gott wenden. Besondere Formulierungen muss ich mir dafür nicht überlegen. Gefaltete Hände können hilfreich sein, weil sie vielleicht die Konzentration fördern. Das gilt auch für eine schöne Kirche, die Ruhe ausstrahlt. Doch diese Äußerlichkeiten helfen mir Gott braucht sie nicht. Ein unbeholfenes Stoßgebet in der überfüllten U-Bahn ist nicht weniger wert als eine kunstvolle Fürbitte vor dem Altar, auf dem Kerzen brennen. Ich darf so menschlich mit Gott sprechen, wie ich bin etwas anderes kann ich ja sowieso nicht: Nur meine menschliche Sicht kann ich auf Gott haben. Gottes Sicht auf mich ist anders. Er umgibt mich von allen Seiten.
Sprecherin: Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
So heißt es im 139. Psalm. Gott versteht meine Gedanken, weil er sich für mich interessiert. In seiner Größe begegnet er mir menschlich. Wenn ich will, darf ich ihn lieber Vater, Papa nennen. Mit allem, was mich bewegt, bedrückt, umtreibt, lasse ich mich im Gebet selbst los und sehe ab von dem, was ich kann und weiß. Gott, mein Vater, hat ein offenes Ohr für mich und tröstet mich, wie einen seine Mutter tröstet. Auch wenn ich ihn nicht begreife: Mein Gebet kommt bei Gott an. Immer und überall.
Beten - immer und überall?
|