Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.06.10, Kerstin Hanke

Samenbombe fürs Stadtparadies

Mattes radelt gerne nachts durch Berlin. In seiner LKW-Planentasche befinden sich viele kleine Säckchen mit einem krümeligen Inhalt.

Vor einem Bauzaun bremst er, ein Blick über die Schulter, der Klettverschluss seine Tasche macht den typischen Ritschlaut. Vier Säckchen prallen auf den Boden. Mattes zückt eine Schaufel, stochert im harten Erdreich herum, schüttet Wasser aus einer Aluflasche über die zerplatzen Säckchen und schon steigt er wieder in die Pedale.

Mattes ist ein wilder Gärtner, einer von unzähligen anonymen Guerilla Gardening Aktivisten. Er schmeißt Samenbomben auf die öden Grünflächen und trostlosen Verkehrsinseln seiner Stadt. Kapuzinerkresse wird in einigen Wochen hier mit fröhlich satten, orangen Blüten wuchern, hofft Mattes. Grün statt Grau!

Ringelblumen am Straßenrand, Pfefferminze schmiegt sich an einen Laternenmast. Wer sich aufmerksam umguckt, wird entdecken:  Auch in meiner Nachbarschaft muss es welche von den grünen Guerillas geben.

Kunstaktion nennen einige ihre Form des zivilen Ungehorsam. Denn was sie tun, ist illegal. Vor dem Gesetz gilt das unerlaubte Bepflanzen einer öffentlichen Grünfläche als Sachbeschädigung und ist damit eine Ordnungswidrigkeit. Mattes weiß das. Aber hey, meint er, man muss mal halt etwas kreativ sein, wenn man bewirken will, dass unser Leben bunter wird.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Samenbombe fürs Stadtparadies


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