Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.06.10; Daniel Schneider

Suche nach Gott

Monatsspruch: Denn so spricht der Herr zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben. (Amos 5,4)

Suchen macht Spaß. Ich kann ohne Probleme einen freien Nachmittag in meiner Lieblingsbuchhandlung verbringen, ein oder kein bestimmtes Buch suchen und nach Herzenslust schmökern. Das ist pure Erholung. Suchen ist aber auch anstrengend. Vor allem dann, wenn der Haustürschlüssel wieder einmal verschollen ist, ein dringender Termin ansteht und die Zeit davonläuft. Suchen macht traurig. Vor allem dann, wenn die Suche erfolglos bleibt. Diese Liste kann ich beliebig erweitern. Suchen ist facettenreich. Es bestimmt unser Leben.

Da sind einerseits die eben genannten alltäglichen Dinge. Und andererseits die existenziellen Dinge. Die Suche nach der beruflichen Erfüllung oder nach dem Partner fürs Leben und nach dem Sinn des Lebens. Nur, wo soll man da anfangen? Ein Suchtipp von Gott steht in der Bibel. Der lautet: Suchet mich, so werdet ihr leben. Dieser Vers steht mitten zwischen derben Gerichtsworten und düsteren Schreckensvisionen des Propheten Amos im Alten Testament.

Die Menschen damals haben den Sinn des Lebens auf ziemlich egoistische Weise und ohne Rücksicht auf Verluste gesucht. Arme wurden unterdrückt, dadurch wurden Reiche immer reicher. Gottesdienste waren längst zu bloßen Lippenbekenntnissen geworden. Der Abstieg war vorprogrammiert. Und mitten in diesen bitteren Wahrheiten gibt Gott einen fast flehenden Tipp: Sucht mich doch! Ich habe das Leben für euch! Kein: Ihr müsst jetzt an mich glauben! Kein: Da seht ihr, wo euch das ganze hingeführt hat. Nein, eher ein Bitten: Besinnt euch doch auf das, wozu ihr da seid. Ihr sollt einander helfen, achten, zusammenhalten. Sonst macht ihr euch gegenseitig fertig.

Die Suche nach Gott macht Sinn. Zu Amos Zeiten lag das auf der Hand: Die Rücksichtslosigkeit vieler Menschen hatte dazu geführt, dass das soziale Leben am Nullpunkt angekommen war. Gott suchen bedeutet in diesem Zusammenhang: Seine Schöpfung, die Menschen achten. Ich soll meine Mitmenschen ernst nehmen, sie akzeptieren, ihnen helfen, mit fairen Mitteln kritisieren, mit ihnen zusammen und nicht gegeneinander leben. Mir misslingt es oft genug. Trotzdem versuche ich es weiter.

Denn es macht Sinn. Gesellschaftliches Zusammenleben funktioniert nur mit Rücksicht auf den anderen. Und ich glaube, dass genau das ein absoluter Sinn des Lebens ist. Das macht Spaß. Dann, wenn ich merke: Mensch, die Dame hat sich jetzt aber gefreut, dass ich sie an der Supermarktkasse vorgelassen habe. Das ist anstrengend. Dann, wenn ich merke: Die Dame zählt das Kleingeld  unter Umständen centweise ab, der Kassierer ruft: Storno! und ich verpasse den Anpfiff beim Fußballspiel. Das macht fröhlich, wenn Ehrlichkeit sich auszahlt. Das macht auch traurig, wenn Gutmütigkeit oder Rücksicht gnadenlos ausgenutzt wird. Aber trotzdem glaube ich, dass ich mit einem gesunden Sozialverhalten ein sehr sinnvolles Leben führe.Weil nur so Zusammenleben funktioniert. Mit Geben und Nehmen. Und ich glaube, das es in der Bibel Tipps für genau den Alltag gibt, den ich tagtäglich lebe. Lesen doch auch sie einfach mal nach, wie Gott sich ein sinnvolles Leben für uns Menschen gedacht hat. Denn wie heißt es im Monatsspruch bei Amos: Suchet mich so werdet ihr leben.

Audiobeitrag Suche nach Gott


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