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Sexueller Missbrauch
Laura ist eine attraktive Frau in den Vierzigern. Voller Humor und Tatendrang. Verheiratet, drei Kinder, berufstätig. Ich mag sie.
Mit ihr kann man lachen, weinen und wunderbar abhängen. Sie ist spontan, manchmal auch sprunghaft und im besten Sinne politisch. Wenn sie laut lacht, dann hält sie sich die Hand vor den Mund. Ihre Zähne sind ihr peinlich. Ihr Gebiss, das viel zu groß ist und das immer mal wieder verrutscht.
Als Kind ist Laura sexuell missbraucht worden immer wieder über viele Jahre und immer am gleichen Ort: In einer Kirche auf dem Dorf. Ritueller Missbrauch nannte sich das. Laura ist eine von vielen. 100.000 Kinder und Jugendliche so die Dunkelziffer werden jedes Jahr sexuell missbraucht. Nur in jedem 15. Fall kommt es zur Anzeige.
Laura hat in ihrem Leben viel Therapie gemacht heute hat sie ihr Leben im Griff.. Bis auf ihre Zähne. Eine der Spätfolgen, die viele nicht kennen. Die massiven Zahnschäden, die auftreten bei Opfern von oralem sexuellen Missbrauch. Laura hat das Gebiss einer 80-jährigen. Ganze zwei Zähne hat sie noch, der Kieferknochen ist total abgebaut, dass Gebiss muss dringend erneuert werden. 40.000 Euro soll das Kosten. Die Transplantation von Knochen und die Implantation von Zähnen. Doch die will die Krankenkasse nicht zahlen. Das finde ich skandalös.
Kann es sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich nicht ausreichen/umfassend um die Opfer von sexueller Gewalt kümmert? Die die Opfer auf den Kosten der Folgeerkrankungen hocken lässt? Und sie wiederum aufs neue beschämt sie erneut zu Opfern macht.
Kann es sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo es offensichtlich bessere und schlechtere Opfer gibt. Die denen man hilft und die, denen man Hilfen versagt. Ist hier möglicherweise immer noch die verdeckte Schuldzuschreibung wirksam nach dem Motto: Wahrscheinlich wolltest du es ja
Jeden Tag erfahren wir von neuen Missbrauchsfällen. Wir sind schockiert. Aber warum reden wir immer noch zu wenig darüber, ob die Opfer auch die optimale Hilfe bekommen. Warum müssen Beratungsstellen für sexuell missbrauchte Menschen ständig ums Überleben kämpfen? Und warum kämpfen Opfer von sexuellen Gewalttaten mit Krankenkassen und mit Verjährungsfristen, wo doch klar ist, erst Jahrzehnte später haben die Opfer den Mut über ihren Missbrauch auch öffentlich zu sprechen.
Es ist Zeit zur Umkehr. Buße zu tun. Als Gesellschaft und Kirche zu sagen: Opfer von Gewalt - auch von sexueller Gewalt - haben ein Recht auf umfassende Hilfe: medizinisch, juristisch und psychologisch und sozial. Es ist an der Zeit unsere Hilfssysteme und Angebote kritisch zu hinterfragen, ob diese dringend erforderlichen Hilfen auch geleistet werden. An Opfern von Gewalttaten darf nicht gespart werden. Dafür muss man noch nicht einmal den christlichen Glauben bemühen. Opferhilfe ist eine Frage der Menschenwürde
Sexueller Missbrauch
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