Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.06.10, Sidney Schering

Warnsignal Neid?

Meine treue, alte Rostlaube steht wieder einmal in der Werkstatt. Deshalb holt mich meine Freundin Sarah zu unserem monatlichen Mädelsabend ab.

Sie fährt einen todschicken, silbernen Flitzer  mit lauter Schnickschnack, wir Sitzheizung, Einparkhilfe  und tollem Soundsystem. Während ich auf dem warmen Beifahrersitz sitze, sticht etwas in meiner Magengegend. Es ist dieses widerliche Gefühl des Neids. Und direkt hinterher das Schuldgefühl. Schließlich wird einem von klein auf gesagt, dass Neid eine schlimme Emotion sei, für die man sich zu schämen hat.

Hat mir Neid jemals mehr gebracht als ein schlechtes Gewissen? In der zehnten Klasse war ich auf Sarahs Einsen in Mathe und Englisch neidisch. Streberin, lästerte ich. Sie bot sie mir Nachhilfe an. Das hat meinen Notenschnitt enorm verbessert.

Neid ist eigentlich Warnsymbol, das anzeigt, wann ich beim Vergleich mit anderen vermeintlich schlecht davonkomme. Schlimm wird’s wenn ich die Warnung übersehen, und mich vom Neid auffressen lasse.  Wie sage ich rechtzeitig Stopp?

In  Sarahs neuem Auto habe ich mich gefragt,  was frisst mich jetzt eigentlich an. Ich treffe  meine Freundinnen und werde Spaß zu haben. Wen interessiert da schon eine Sitzheizung im Auto?  Warum mache ich daraus eine Konkurrenzkiste? Schluss damit. Genieße das einfach. Schon war der Stich in der Magengegend weg.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Warnsignal Neid?


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