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"ich habe - ich bin"
Darf ich Ihnen 50 Euro schenken? Da sagt doch jeder gerne ja, oder? Wenn ich nun den Schein vorher zerknülle und Ihnen zuwerfe, wollen Sie ihn dann auch noch?
Kein Problem, man kann ihn doch auseinander falten und glätten und er hat doch immer noch seinen Wert, oder? Gut, wenn ich nun auf dem Schein herum trampele, ihn nass mache und wieder trockne, nehmen sie Ihn dann auch noch? Ja, sicher, wo ist das Problem?
Ist auch kein Problem. Egal, wie das Äußere eines Geldscheins ist, solange er nicht zerstört ist, hat er seinen Wert und jeder von uns wird ihn gerne geschenkt annehmen. Warum nur billigen wir einem Geldschein diese Eigenschaft zu und einem Menschen nicht? Da geht es nämlich um den äußeren Schein - frei nach der Bankenwerbung, die vor einigen Jahren im Fernsehen lief -: mein Haus, mein Auto, meine Frau, meine Jacht, mein Pferd. Und der Schulfreund staunt und präsentiert stolz sein Eigentum. Habgier war in früheren Zeiten eine Schande, man denke nur an den verbitterten und geizig gierigen Scrooge in der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Heute scheint Habgier fast eine Tugend zu sein. Doch es gibt positive Gegensignale - die unendliche Habgier mancher Spekulanten geht dem Normalbürger dann doch zu weit. Oder? Wo wäre für uns die Grenze? Wer definiert sie?
Diese Frage allein zeigt bereits an, wie sehr wir uns über das Haben und nicht über das Sein definieren. Was kannst du, hast du, tust du, beherrschst du? Das ist wichtig. Dann wird verglichen mit dem Nachbarn und daraus wird ein Quell der Unzufriedenheit. Merken wir nicht, dass wir auf ein trügerisches System herein fallen, dass uns abhängig macht? Sich über das Haben und Tun zu definieren und daraus Wert zu ziehen, das macht unfrei. Zugleich macht es Menschen, die nicht so viel zu bieten haben, zu Schädlingen unserer Gesellschaft. Behinderte, Alte, Kinder, Kranke - sind sie weniger wert? Da wird ein individuelles und wertvolles Leben schnell zu lebensunwertem Leben. Weil der Maßstab nicht stimmt.
Jesus Christus stellt diesen Maßstab auf den Kopf. Weil sein Vater es anders gewollt hat und will. Er liebt den Menschen einfach zu sehr. Gott hat uns schon geliebt, als wir noch vollkommen neben der Spur waren - das Neue Testament verwendet für "neben der Spur" den Begriff der Sünde. Dieser drückt aus, dass sich ein Mensch nicht mehr von Gott abhängig macht, sondern von anderen Dingen. Und dabei unfrei wird, gefangen unter falschen Maßstäben. Gott geht es um das Sein, nicht um das Haben und Tun. Die Schwachen und Kranken, die will er aufrichten. Jesus geht so weit, dass er sagt, dass er für diese gekommen ist und nicht für die, die vermeintlich stark sind. Jesus setzt ganz andere Akzente, er sagt: Glücklich sind die Bedürftigen, Schwachen, Trauernden - warum eigentlich? Weil sie die Chance haben, den Maßstab dieser Gesellschaft in seiner Hohlheit zu enttarnen und sich gleichzeitig auf den zu verlassen, der wahrhaft Wert gibt: Gott selbst. Seine Geschöpfe sind wir, seine Kinder sollen wir sein.
Beim Geldschein zählt der Wert - nicht das Äußere. Beim Menschen ist es nicht anders. Sagt Gott. Und das tut so gut!
"ich habe - ich bin"
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