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"ich war´s nicht!"
Ich weiß es noch wie gestern. Ich saß zusammen mit den Teenagern unserer Gemeinde und ein Mädchen drehte sich nach ihrer Tasche um und schubste dabei ohne Absicht
ihr Glas mit klebriger Limonade um. Sie schaute mit aufgerissenen Augen in die Runde und rief reflexhaft: Ich wars nicht!!. Wir schauten sie zurück an und lachten dann herzhaft über diese Aktion. Seitdem ist Ich wars nicht! ein geflügeltes Wort in unserer Gemeinde, wenn irgendwas schief läuft
Von Friedrich dem Großen, dem König in und schließlich auch von Preußen, gibt es eine Anekdote, die wenn auch nicht historisch abgesichert, zumindest gut erfunden ist. Eines Tages wollte er wieder einige Gefangene begnadigen und ging durch verschiedene Zellen. Ein Gefangener klagte ihm sein Leid und seine Unschuld, ein anderer beteuerte, Opfer eines Justizirrtums zu sein und seine Familie würde ja auch leiden, ein dritter Mann sagte schlicht: Ich habe es verbockt und sitze hier vollkommen zurecht. Friedrich begnadigte den letzten Gefangenen. Die Begründung? Ich kann nur jemanden begnadigen, der auch schuldig ist! In unsere Zeit übersetzt: die anderen hatten Ich wars nicht gerufen - Vergebung und Gnade kann aber nur empfangen, der es war und auch anerkennt
Ich wars nicht! - das gehört zu den zerstörendsten Aussagen in unserer Gesellschaft. Verantwortliche ducken sich weg und schieben die Schuld auf andere. Dann waren es meistens die Umstände, aber auf jeden Fall die anderen: die Politiker, die Behörden, die Lehrer, die Erziehung. Respekt verdienen die Menschen, die sagen: Ich habe Mist gebaut und die Konsequenzen ziehen, bzw. daraus lernen. Schuldverschiebung dagegen verhindert vielleicht zuerst unangenehme Spannungen, aber wohin wandert dann die Schuld? Sie löst sich ja nicht einfach in Wohlgefallen auf...
Zugegeben, auch eine persönlich unangenehme Frage. Denn das Wegducken, Schuld abschieben oder Wegerklären ist ja nicht nur auf große Verantwortungsträger beschränkt. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel machen die Menschen nach begangenem Fehltritt eins: Sich verstecken. Voreinander und vor Gott. Scham hält Einzug und die ist nun alles andere als lebensaufbauend. Schuld löst sich nicht in Luft auf. Schwamm drüber und die Zeit heilt alle Wunden - das sind Lügen, die Menschen vielleicht gerne glauben, die aber nicht in die Freiheit führen. Paulus ruft den Menschen zu: Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten (Galater 6,7).
Was hilft also? Verantwortung übernehmen auch für sich selbst. Um Vergebung bitten, Gespräche führen, Konflikte angehen. Gott ruft permanent nach seinen Geschöpfen, seinen Menschen. Wer antworten will und möchte, muss sich auch ver-antworten. Denn nur wer Ich wars! ruft, der empfängt auch Vergebung und lebt entlastet und befreit weiter. Das ist ein wichtiger Teil der frohen Botschaft von Jesus Christus: Fehler machen ist erlaubt, Fehler vertuschen dagegen zerstörerisch.... Oder wie der Autor Scott Peck es sinngemäß ausdrückt: Für Gott ist Schuld kein Problem mehr, dafür ist er selbst gestorben - er hat ein Problem mit versteckter Schuld.
Es gehört Mut dazu, die Dinge anzupacken. Ich wars zu sagen. Nur so sind friedvolle Beziehungen wieder möglich - zu Menschen und zu Gott und nicht zuletzt: zu mir selbst.
"ich war´s nicht!"
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