Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.05.10, Pastorin Beate Raguse

Jugendtelefon

Autorin: Küsschen rechts, Küsschen links. Hey, wie geht’s? Ach, Schule war heute nervig. Sie versinken in den roten Sofas versinken: Andre, Jenny, Kilian und Melanie.

Sie treffen sich heute, um ehrenamtlich zu arbeiten. Beim Jugendtelefon der Krefelder Telefonseelsorge.

O-Ton: Ich rede einfach gern mit den Jugendlichen. Ich find die Gespräche immer sehr interessant und es macht mir Spaß, aus denen alles rauszukitzeln und die dahin zu bringen, Sachen zu erzählen, wo die sich vorher nicht getraut haben, drüber zu reden. Oder denen Denkanstösse zu geben, wo die dann am Ende sagen: ‚Ja stimmt.’

Autorin: Melanie ist eine von rund 15 Jugendlichen, die sich den Dienst teilen. Dreimal die Woche beantworten sie mails und machen Telefondienst. Dabei bleiben die Anrufer  anonym. Bereits vor 16 Jahren wurde das Jugendtelefon eingerichtet, erzählt Pastorin Katrin Fürhoff. Bis dahin riefen Kinder und Jugendliche eher selten an.

O-Ton: So mit echten wirklichen Problemen sind die selten gekommen. Da haben wir uns gefragt; wieso eigentlich , wieso kommen die nicht? Ja klar, ist ja logisch, die kommen deswegen nicht, weil: mit wem haben die Probleme? Mit Erwachsenen ja meistens.

Autorin: Seither treffen die Anrufer auf Gleichaltrige, die die gleiche Sprache sprechen wie sie, Nöte und Probleme nachempfinden, ähnliche Schwierigkeiten schon  bewältigt haben und nun bei der Klärung helfen: Bei  Schulproblemen und Liebeskummer, Missbrauch, Suizidgedanken oder Ärger im Freundeskreis. „Jeder kann anrufen“, erklärt Andre:

O-Ton: Selbst wenn er nur so mal jemanden zum Reden braucht, weil bei uns gibt es keine kleinen oder großen Probleme. Was  für mich die kleinste ne Banalität sein kann, das mein bester Freund an mir vorbeigeht und mir nicht die Hand gibt, da kann für einen anderen ne Welt dran zerbrechen…

Autorin: Neben Katrin Fürhoff begleiten eine  Psychologin und ein Sozialpädagoge die Freiwilligen. Sie springen, ein wenn ein Jugendlicher am Telefon nicht mehr weiter weiß.  Bieten Supervision oder Info-Nachmittage zu Themen wie Essstörungen oder Sexualität an und leiten zudem  die einjährige Ausbildung, die jeder durchlaufen muss. Hier lernen die Jugendlichen

O-Ton: Selbsterfahrung, ganz viel feststellen, was hat man eigentlich selber, wie nimmt man gewisse Dinge auf, wie kann man die bewältigen, damit umgehen, weil das auch zentral wichtig ist, um überhaupt mit den Leuten am Telefon arbeiten zu können,

Autorin: und wenn das mal nicht gelingt, sich

O-Ton: abzugrenzen und mich nicht mitziehen lasse. Stopp, das kann ich nicht, ich könnte dir aber jemanden anbieten, der mit dir reden kann.

Autorin: Auf das Miteinander legen hier alle großen Wert. Und auf Toleranz gegenüber dem Anrufer und im Team. Melanie findet, dass

O-Ton: Das Jugendtelefon wie ne zweite Familie geworden ist, man fühlt sich hier wohl, man kommt hierhin, wird aufgenommen, mit allen Gefühlslagen, die man so besitzt. Und wird so angenommen wie man ist, was ich halt sehr schön findet.

Autorin: Rufnummern und Beratungszeiten im Internet unter www.jugendtelefon.org.

Audiobeitrag Jugendtelefon


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