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Sie führet mich auf rechter Straße
Letzte Weihnachten war es soweit. Das BM x3 - ein Navigationsgerät - lag unterm Baum.
Alle Versuche, meine Individualität zu behaupten, klar zu machen, dass ich so ein Ding wirklich nicht brauche, waren gescheitert. Ich bin wieder mal eine von vielen. Mitglied eines neuen Vereins oder sollte ich sagen einer Gemeinde ?- die in Anlehnung an den Psalm vom guten Hirten gemeinsam bekennt: Kathrin ist meine Leiterin. Mir wird es nicht mehr an Orientierung mangeln, denn sie führet mich auf rechter Straße um ihres Namens willen. Und wenn ich mich verfahre, ist das kein Unglück, denn Kathrin ist immer bei mir, ihr Orientierungssinn, ihr GPS gibt mir Sicherheit.
Kurz: Ich gehöre zu den Millionen Deutschen, die durch die Schildermeere nicht mehr nur fahren, sondern sich navigieren lassen. Und- ich gebe es zu- der Begriff versöhnt mich ein wenig mit dem Schicksal. Navigieren; wer denkt da nicht an das große weite Meer und und an die alte Seekarte, die vom vielen Falten brüchig geworden ist?
Mir macht der Navi klar, dass ich die viele Zeit im Auto eben nicht mit schnödem Gasgeben, Kuppeln, Bremsen verbringe, sondern -ganz existentiell- unterwegs bin. Während Kathrin mich lotst, habe ich jede Menge Gelegenheit, das zu bedenken.
Nicht nur die naheliegenden Themen wie, was ist mein Weg? Mit wem will ich ihn gehen? Ist der kurze wirklich der beste oder würde ich mich, könnte ich wählen, doch für den reizvolleren entscheiden, auch wenn er weiter ist?
Auch das Verhältnis zu Führern ist ein Thema, das so ein Navi unweigerlich aufbringt. Oder kennen Sie nicht auch mindestens einen Mann, der ihnen schon erklärt hat; In meinem Navi die weibliche Stimme? Niemals, ich lass mir doch von einer Frau nicht sagen, wie ich zu fahren habe.
Kathrin ist treu und beständig. Was ich an ihr schätze; sie verliert nie die Nerven. Im immer gleichen Tonfall kann sie unzählige Male wiederholen; bitte bei der nächsten Gelegenheit wenden. Sie hat einen Knopf zum Ausschalten und eine bei Führungspersonen ganz seltene Eigenschaft; sie trägt es nicht nach, wenn ich nicht auf sie höre. Wenn ich sie wieder brauche, ist sie sofort zur Stelle. Und in ihrer Stimme nicht der leiseste Anflug von Beleidigt - sein.
Doch alles für und wider wird unbedeutend neben dem ausschlaggebenden Kriterium zur Beurteilung aller Führer, weltlicher, geistlicher, religiöser und elektronischer sowieso. Kathrin erinnert mich ganz zu Anfang eines jeden Kontaktes an meine eigene Verantwortung. Ich bin nur ein Hilfsmittel, sagt sie mir. Ich mache dir Vorschläge, soweit es meine Programmierung zulässt. Ob Sie in Ordnung sind, ob sie dir nutzen, dass musst du entscheiden, jede Sekunde. Ganz so poetisch sagt sie es nicht. Sie verpackt es in wenige Worte: Bitte beachten Sie die Straßenverkehrsordnung.
Ich bin nicht mehr als ein Instrument, sagt sie mir. Ein weltlich Ding, für das der schöne biblische Satz gilt: Prüfet alles, das Gute behaltet. Ich werde Kathrin behalten. Ich werde sie auch in Zukunft gerne zu Rate ziehen, wenn ich in fremden Städten unterwegs bin. Ich werde es schätzen, nicht mehr im fließenden Verkehr die Namen der Straßen entziffern zu müssen.
Kathrin bleibt meine Führerin, sie kriegt das hin, sie führet mich auf rechter Straße, um ihres Namen willen, und wenn ich mich doch verfahre, ist das schnurz, denn Kathrin ist da und rechnet einen neuen Weg aus.
Mehr finde ich - kann man von ihr nicht verlangen, denn schließlich ist Kathrin ja keine Hirtin, sondern nur das Navigationssystem.
Sie führet mich auf rechter Straße
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