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"ich müsste"
Ich gehe ökologisch mit meinen Vorsätzen um: Ich nehme jedes Jahr dieselben noch einmal. Die sind praktisch wie unbenutzt, so gut wie neu!
Eckard von Hirschhausen, der Kabarettist und Mediziner, hat diesen nachdenkenswerten Satz geschrieben. Und wie gut kann ich ihn verstehen! Geht mir ja nicht anders...
Ich muss dringend ein paar Kilo abnehmen, Ich müsste mal wieder die Elke anrufen - was mag die von mir denken?. Ich muss mich verändern, ich bin einfach zu reizbar. Ich müsste mal wieder ein Buch lesen, ich habe doch schon eins durch!. Ich müsste
ich muss
solche Sätze begleiten einen ein Leben lang. Doch wozu sagen wir sie uns eigentlich? Erst einmal: Bringen tun sie nichts - denn sonst bräuchte man die guten Vorsätze ja nicht aufzuwärmen! Aber sie bringen nicht nur nichts, sie verletzen uns sogar. Denn wer bestimmt hier den Maßstab, dass ich etwas müsste? Welcher Stimme gehorche ich in diesem Moment?
Nehmen wir das ewige Problem mit den Speckröllchen. Zig leise und gar nicht so leise Stimmen flüstern uns ein: Nimm ab, du stimmst nicht mit den Idealen überein! Plötzlich passt mir die neue Jeans im Laden nicht mehr, die in genau dieser Größe vor einem Jahr noch passte! Zugenommen habe ich nicht - was ist passiert? Kleidergrößen werden heimlich still und leise verändert und plötzlich braucht man 42, wo vorher 40 passte. All diese äußeren Stimmen verbünden sich mit unseren inneren Stimmen und gemeinsam üben sie Druck aus. Als Reaktion ächzen wir nur noch: Ich müsste mal dringend abnehmen. Ändern tut das nichts. Wir nehmen nur ein wenig von dem Druck weg, den die Stimmen auf uns ausüben.
Doch es bleibt nicht bei dem durchschaubaren Ausweichmanöver. Dieses dumme Wort macht uns auch noch fertig! Denn wir bleiben ja immer hinter irgendwelchen Idealen zurück. Ich bin eben nicht schlank, permanent leistungsfähig, entspannt, niemals ärgerlich, gut gelaunt und stets gebräunt! Aber wer stellt auch solche Ideale auf? In dem Maße, in dem ich diesen Stimmen gehorche - und sei es nur durch ein Ich müsste mal wieder
- in dem Maße mache ich meine Zufriedenheit von menschlichen Maßstäben und Idealen abhängig. Die ich nie erreiche. Wissen Sie, wie man so etwas nennen könnte? Sklaverei! Das gilt nicht nicht nur für Äußerlichkeiten...
Nicht wenige Menschen empfinden auch den Glauben so. Was man da angeblich nicht alles muss und nicht darf, Gebote, Verbote... Schlimm, wenn sich Gott in die Reihe der Stimmen eingliedert und auch noch Druck ausübt. Nun hat Gott sicherlich gute Gedanken für unser Leben; Regeln, die aufbauen und segensreich in unserem Leben wirken sollen. Aber das ist gar nicht zentral! Zentral ist das eine einzige Gebot des Jesus Christus. Gott lieben von ganzem Herzen, und seinen Nächsten wie sich selbst. Gott weiß, dass wir das nicht hinkriegen. Liebe kann man ja auch nicht machen, sie kann sich nur entzünden. Deswegen geht Gott in Vorleistung und liebt uns zuerst. Ohne Wenn und aber. Schon immer.
Gott übt keinen Druck aus. Sätze wie Ich müsste mal dringend
haben da keinen Platz mehr... Wie sehr haben wir das in unserer Zeit nötig, in der uns 1000 teilweise sich widersprechende Stimmen sagen, was wir tun sollen und sein sollten. In Gottes Nähe muss ich gar nichts müssen. Ich brauche nur zu empfangen. Und darf antworten.
"ich müsste"
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