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"wenn - dann"
Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann wär mein Vater Millionär. Wie oft habe ich diesen Satz als Kind von meiner Mutter gehört,
wenn ich gerne etwas haben oder erreichen wollte und die Bedingungen einfach nicht stimmten. Beziehungsweise nach der Meinung meiner Eltern nicht stimmen sollten. Ach, wenn ich 10 Euro hätte, dann würde ich mir diesen Flugzeugbausatz kaufen! Ein solcher bewusst platzierter Satz löste meist genau diese Reaktion bei meiner Mutter aus. Gut so, denn ich sollte ja lernen, verantwortlich mit Geld umzugehen. Also sparte ich fleissig
wenn auch murrend!
Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann wär mein Vater Millionär. - ein Klassiker, der es sogar auf die Internetseite www.mamas-klassiker.de geschafft hat. Doch das wenn-dann-Denken bleibt nicht auf solche harmlosen Beispiele beschränkt. Es durchzieht unser ganzes Leben und prägt uns mehr als wir denken. Wenn ich Leistung bringe und noch mehr arbeite, dann schaffe ich den Karrieresprung. Wenn ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringe, dann werden sie stark und erfolgreich. Wenn ich mich endlich zusammenreiße und mehr Sport treibe, dann nehme ich 10 Kilo ab. Wir denken in solchen so genannten Kausalketten: wenn - dann. Ursache -Wirkung, aus a folgt b. Wenn ich ein Medikament nehme, geht es mir besser und ich werde gesund. Wenn ich einen Eheabend pro Woche investiere, dann bleibt meine Ehe von größeren Stürmen bewahrt
schön wäre es ja...
Das Problem dabei ist: es funktioniert nicht immer! Der Karrieresprung ist nicht unausweichlich, die Ehe nicht zu 100% geschützt, das Medikament kann Nebenwirkungen haben und am Ziel vorbei therapieren. Und dann? Ich werde ärgerlich! Denn wenn ich mein ganzes Leben schön in solche Wenn-Danns aufgeteilt habe, dann habe ich ja alles schön im Griff und kann selbst Kontrolle ausüben. Und plötzlich entgleitet mir das! Das geht doch nicht! Männer mögen das überhaupt nicht!
Die Welt ist einfach nicht so, wie ich das möchte und mir das ausmale. Das kann mich nun ärgern, aber es könnte an dieser Stelle auch eine heilsame Einsicht entstehen: Menschen reagieren nicht nach Vorschrift und die Welt dreht sich einfach nicht nur um mich
Eine Einsicht, die mich gleichzeitig öffnet für die Erfahrung Gottes. Denn in dem Moment, in dem nicht mehr ich im Regimente sitzen will, sondern Gott regieren lasse - wie es Paul Gerhardt in einem Kirchenlied dichtet - in diesem Moment kann etwas Schönes geschehen! Wer die Hände öffnet und sich eingesteht, nicht alles im Griff zu haben, der kann empfangen.
Gott liebt uns, ohne Kleingedrucktes, ohne wenn-dann - vielleicht ein Grund, weswegen es heute manche mit dem christlichen Glauben schwer haben. Er bedient so gar nicht unser wenn-dann Denken. Wenn ich ein netter Mensch bin und regelmäßig bete - dann liebt mich Gott. Eben nicht! Gott geht genau den anderen Weg: Er hat uns schon geliebt, als wir ihn noch verleugnet haben, als wir ohne ihn leben wollten, getrennt von ihm. Trotzdem war Gottes Liebe unverändert da, war und wird niemals größer sein als zu dieser Zeit. Fassen können wir das nicht. Logisch ist das auch nicht. Aber ungeheuer befreiend. Wer sich auf diese ungewöhnliche Liebe einlässt - der kann Freiheit erfahren vom Zwang, alles im Griff haben zu müssen - und: Aufatmen!
"wenn - dann"
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