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Gotteskrieger
Für den Endkampf gegen den Antichristen hatten sich die Mitglieder der Gruppe gut vorbereitet.
Jesus will, dass wir bereit sind, uns mit dem Schwert zu verteidigen, hatte ihnen der Anführer versichert. Und dann schlugen sie zu aber nicht die Gotteskrieger aus Michigan, sondern das FBI.
Ich spreche also nicht von einer militanten, mittelalterlichen Sekte, sondern von einer Truppe religiös motivierter Fanatiker aus den USA unserer Tage. Dort hat sich die Zahl so genannter patriotischer Gruppen, die paramilitärisch ausgebildet und ausgerüstet sind, im letzten Jahr auf 127 verdreifacht. Als Ursache dafür gibt die Us-amerikanische Regierung in offiziellen Verlautbarungen nicht nur die schlechte wirtschaftliche Lage an, sondern vor allem auch die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten.
Gemeinsamer Nenner der gewaltbereiten Gruppen ist eine auf Law And Order fixierte und rassistisch geprägte Weltsicht, die sich nach ihrer Überzeugung unmittelbar aus dem christlichen Glauben ableitet. Weil der Präsident schwarz und das Leitbild der Regierung liberal ist, gilt der Staat als Antichrist und die Polizei als seine widergöttliche Fußtruppe. Die vor kurzem verhaftete Zelle aus Michigan hatte folgerichtig monatelang in aller Öffentlichkeit mit Gewehren, mit Sprengsätzen und in Uniform trainiert. Operatives Ziel: Einen Polizisten ermorden, bei dessen Beerdigung durch einen Bombenanschlag weitere Menschen in den Tod reißen und damit das Zeichen zu einem landesweiten Aufstand setzen.
Die Nachbarn, Menschen wie du und ich, hat das offenkundig nicht weiter gestört. Einen von ihnen zitiert die New York Times mit den Worten: Einer militanten Bürgerwehr anzugehören das ist hier in Michigan keine große Sache. Hauptsache, so möchte man sarkastisch hinzufügen, alle glauben brav an Gott und halten die nötige Distanz zu Fremden, Schwarzen und anderen Untermenschen.
Das alles, wie gesagt, im Namen des christlichen Glaubens. Wir haben uns ja schon beinahe daran gewöhnt, Gewalt und Hass vor allem mit einer einzelnen Religion zu verbinden. Ausgelöst durch die brutalen Terroranschläge, mit den islamistische Gruppen in den letzten Jahren immer wieder unschuldige Menschen ermordet haben, hat sich bei uns ein Klima breit gemacht, in dem der Islam insgesamt als die von Haus aus gewalttätige und intolerante Religion denunziert wird. Diese Stimmung wird von BILD bis SPIEGEL quer durch unsere Medienlandschaft gepflegt.
Nachrichten über christliche Bürgerwehren sollten uns da vielleicht ein wenig nachdenklicher machen. Auch dem Christentum ist die Toleranz nicht an der Wiege gesungen worden, und die in seinem Namen verübten Exzesse sind keineswegs auf die ferne Vergangenheit beschränkt. In den USA sagt jetzt die Ministerin für Heimatschutz, Janet Napolitano: Wir müssen unser Land vor Terrorismus schützen, egal ob hausgemacht oder ausländisch, und ungeachtet der Ideologie, die dahinter steht. Und, das muss man gleich dazu sagen: Wir dürfen nicht aufhören, das Gespräch zu suchen zwischen allen glaubenden Menschen, egal welcher Religion. Menschen, die aus unterschiedlichen Überzeugungen einen gemeinsamen Schluss ziehen: nämlich dass nur Menschen guten Willens wirklich Gotteskinder sind.
Gotteskrieger
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