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"Worte haben Macht"
Sie ist 15 Jahre alt. Und hat schon eine echte Drogenkarriere hinter sich. Vier mal knapp an einer Überdosis vorbei, Prostitution, Jugendknast.
Sie war so oft an einem Punkt, an dem sie nicht mehr weiter weiß. Und dann ritzt sie sich die Arme, bis das Blut fliesst. Jetzt ist sie im Drogenentzug. Hier lernt sie über sich zu reden, über ihre Ängste und Gefühle. Sie erzählt stockend von ihrer Kindheit, von den Schlägen des Vaters. Schlimme Schläge. Aber viel schlimmer waren die Worte, die ihre Mutter immer zu ihr gesagt hatte Ich wünschte, du wärest nie geboren worden! Ich will dich nicht haben! Ich wünschte, du wärest tot! Diese Worte hatten sich so sehr in ihr Bewusstsein gebrannt, dass sie sich buchstäblich auf Raten selber töten wollte.
Sicherlich ein extremes Beispiel, aber in einem Punkt können wir uns schnell wieder finden. Worte haben die Macht, uns entweder aufzubauen oder zu verletzen. Da bekommt ein alter Mensch vermittelt: Du gehörst zum alten Eisen, du bist kein Humankapital mehr. Jugendlichen wird gesagt, sie seinen nichts wert, aussichtslos, verloren und egoistisch. Nicht immer sind solche Aussagen verletzend gemeint. Aber sie brennen sich in die Seele ein. Dort können sie wie ein zu enges Korsett unsere Lebensfreude abschnüren und uns gleich mit.
Aber nicht alle Worte, die uns verletzen, kommen von außen. Wir sind selbst auch ganz gut darin, uns zu verletzen. Ich bin halt so! Ich werde das nie schaffen. Ich bin ein Stück Dreck! So habe ich das schon immer gemacht. Ich kann das nicht. Diese und viele andere Verletzungen fügen wir uns Tag für Tag zu. Und nicht nur uns selbst, sondern auch anderen Menschen. Ich ertappe mich selbst manchmal erschrocken dabei, daß ich einem meiner Kinder voller Wut entgegen schleudere: Das schaffst du doch eh nicht! - und damit den unbändigen Willen in jedem Kind zur Eroberung ersticke. So manches Mal habe ich da auch meine Kinder um Vergebung bitten müssen.
Der Jakobusbrief im Neuen Testament widmet der Zunge ein halbes Kapitel. Und findet Aussagen wie die folgende: Auch die Zunge ist ein Feuer; sie ist mehr als alle anderen Teile des Körpers ein Mikrokosmos unserer unheilvollen Welt. Unser ganzes Wesen wird von ihr vergiftet; sie setzt die gesamte menschliche Existenz in Brand mit einem Feuer, das die Hölle selbst in ihr entzündet. (Jakobus 3,6)
Was für eine Verantwortung haben wir mit unserem Reden! Anderen gegenüber und uns selbst gegenüber. Das Gegenteil von verletzenden Worten sind heilsame Worte. DAS bezeichnet die Bibel als Segen. Segnen heisst im Griechischen eulogein und das heisst wörtlich: Gutes sagen. Der Segen benötigt also keine große Geste und keinen Gottesdienst - jeder kann segnen. Indem er Dinge sagt, die gut sind und gut tun. Die aufbauen und nicht vernichten. Gute Worte dazu kann uns Gott geben. Denn er weiß am besten, was uns aufbaut und uns mit ihm und untereinander im göttlichen Frieden leben lässt. Er will, dass unser ganzes Leben - für uns selbst und für andere - ein Segen ist.
"Worte haben Macht"
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