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Urknall
Vor ein paar Wochen hat man endlich die großen Fragen der Menschheit gelöst. Wo kommen wir her? Woraus besteht das Universum?
Jetzt, so meldeten es jedenfalls manche Zeitungen, wissen wirs. Im Kernforschungszentum CERN bei Genf haben Wissenschaftler zwei Protonenstrahlen durch einen 27 Kilometer langen Ringtunnel gejagt. Beim Zusammenprall der beiden Strahlen wurde eine so unvorstellbare Menge an Energie mit einem ganzen Schauer neuer Elementarteilchen freigesetzt, dass damit der Urknall, der am Anfang des Universums stand, sozusagen unter Laborbedingungen nochmal nachgespielt wurde.
Wenn die Physik solche Erfolge feiert, gibt es nicht nur viele Ahs und Ohs, sondern immer auch die Sorgenvollen vom Dienst. Die befürchten, frei nach Filmen à la Raumschiff Enterprise, der Genfer Urknall werde lauter kleine schwarze Löcher erzeugen, die erst das schöne Genf, dann die schöne Schweiz und schließlich die ganze Welt verschlingen könnten. Das ist Gottlob nicht passiert.
Ganz andere Sorgen hatte mein Freund Horst, der mich gleich am nächsten Morgen nach dem Urknall mit der Frage überfiel: Sag mal, was haben die damit denn jetzt eigentlich bewiesen? Und ich verfiel nach kurzem Nachdenken auf die Antwort: Dass, wenn man zwei Teilchen durch einen Tunnel jagt, es beim Zusammenprall knallt.
Mit dieser etwas respektlosen Ansicht will ich natürlich nicht das geglückte Experiment in Genf madig machen. Spektakulären wissenschaftlichen Fortschritt finde ich sehr wohl wichtig und beeindruckend, obwohl mir in diesem Fall die Kosten mit 6,5 Milliarden Schweizer Franken ein bisschen happig vorkommen. Was mich allerdings wirklich wundert, ist die offenbar weit verbreitete Meinung, nun wüssten wir, wie das Universum entstanden ist. In Genf werden jetzt zunächst mal die neuen Elementarteilchen analysiert, die bei dem Experiment freigesetzt wurden. Man ist zuversichtlich, darunter das Teilchen zu finden, das für alle anderen Teilchen verantwortlich ist. Ich meinerseits bin zuversichtlich, dass dann auch dieses Teilchen wieder auf ein anderes, noch unbekanntes, zurückzuführen ist und immer so weiter bis in die Unendlichkeit.
Als Christ glaube ich ja, dass Gott die Welt erschaffen hat. Und das ist überhaupt kein Widerspruch zu physikalischer Grundlagenforschung. Wenn ich Gott den Schöpfer nenne, meine ich natürlich nicht so was wie Bob den Baumeister, der mit einem globalen Stabilbaukasten vor sich hin werkelt. Sondern Gott ist für mich die Antwort auf die Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht stattdessen nichts. Diese Antwort würde noch nicht mal dann falsch werden, wenn das Universum gar keinen Anfang hätte.
Die Wissenschaft erklärt mir die Ursache und den Zweck ganz vieler wichtiger Dinge und Vorgänge. Mein Glaube sagt mir, dass die Welt überhaupt keinen Zweck hat. Gott hat sie aus purer Freude geschaffen, und darum ist sie da, schön und schützenswert, manchmal bedrohlich und immer wieder ein Grund zum Staunen und zur Dankbarkeit
Urknall
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