| |
In die Arme aufnehmen
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Jesus hat die Kinder auf die Arme genommen. Auf den Arm genommen? wir hören da einen unfreiwilligen Spaß heraus.
Da wird jemand veralbert.Jesus nimmt die Kinder nicht Spaßes halber auf den Arm. Er nimmt sie von Herzen in die Arme. Alle Evangelien erzählen, wie sehr Jesus den Kindern zugewandt ist. Er teilt Lebensfreude mit den kleinsten Kindern, die zu ihm gebracht werden. Er geht verspielt mit ihnen um. Dann nimmt er sie auf die Arme. In manchen Übersetzungen heißt es: Jesus herzte die Kinder!
Es ist leicht möglich, dass wir uns im Bild der spielerischen Idylle der herzigen Szene verlieren. Der Text mit seiner Wortwahl gibt der Idylle realistische Züge. Das realistische Bild vom Kinderfreund Jesus bekommt Tiefe durch den Grund, den Jesus für seine Nähe zu den Kindern nennt:
Sprecher: Wer ein Kind wie dieses in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. (Mt 18,5)
Das griechische Wort für aufnehmen, das hier in den Evangelien verwendet wird, beschreibt auch die Aufnahme Jesu in den Himmel. Die Kinder werden von Jesus aufgenommen, so wie Jesus später in den Himmel aufgenommen wird. Aufgenommen sein kann nicht kurz verstanden werden, sondern langfristig. Jesus hat nicht ein bisschen mit den Kindern gespielt, sie im Anschluss auf die Arme genommen, gesegnet und sofort wieder abgesetzt und sich dem nächsten Gespräch oder Reiseziel zugewandt.
Jesus hat die Kinder dauerhaft aufgenommen. Dabei greift er auf Forderungen des rabbinischen Judentums zurück, bei denen die Aufnahme eines Kindes genauso angesehen war, als wäre das Kind leiblich in eine Familie geboren. Jesus wendet sich den Kindern zu, die dauernde Aufnahme brauchen. Das sind Kinder, die in keine Familie eingebettet sind. Kinder, die ganz auf sich gestellt sind: Waisen ohne Eltern, die auf der Straße und vom Betteln im Tempel leben. Kinder ohne soziale Absicherung, in einem von den Römern besetzten Land.
Das sind keine niedlichen Kindchen, sondern laute und freche Straßenkinder, die ums Überleben kämpfen. Jesus sagt dazu: Wer diese Kinder aufnimmt, nimmt mich und Gott selbst auf. Jesus bringt die Jünger dazu, diese Kinder aufzunehmen, weil er sich mit ihnen identifiziert: Mit einem Kind nehmt ihr mich auf. Jesus geht noch einen Schritt weiter.
Sprecher: Wer mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. (Mk.9, 37)
Jesus überträgt seine Sendung von Gott weiter auf die Kinder. Wenn ihr ein Kind aufnehmt, nehmt ihr mich auf. Weil ich von Gott komme, kommt Gott selbst zu euch. Jesus stattet die Kinder mit einem Diplomatenpass aus, der ihnen im VIP Bereich die Türen öffnet: Hier kommen die Gesandten Gottes. Wie zentral für Jesus das Wohl der Kinder ist, verstärkt der Satz Jesu im Matthäusevangelium (18,6)
Sprecher: Wer aber einen dieser Geringen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es gut, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.
An diesen Worten muss sich Kirche messen lassen. Kindern brauchen unseren Schutz. Im Notfall auch den Schutz vor uns selbst, falls wir ihre Rechte nicht achten. Jesus stellt die Kinder, ihre Aufnahme und ihren Schutz in die Mitte der Gemeinde. Ihnen gehört nicht nur der erste Platz im Himmelreich, sondern ein Platz an unserem Tisch. Kinder haben das in einem Gebet so ausgesprochen:
Guter Gott, viele Kinder haben kein Bett und kein Dach. Bei ihnen ist Krieg Sie sind hungrig und schwach. An diese Kinder will ich jetzt denken. Am liebsten würde ich ihnen meine Bettdecke schenken! Ich weiß aber nicht, wie man das macht! Guter Gott, halte sie in deiner Hand! Sei du auch in dem fremden Land! Behüte sie in schwerer Nacht! Aus: (Die verletzlichen Jahre, Handbuch zur Beratung und Seelsorge an Kindern und Jugendlichen; Hg.v.R.Riess u.K.Fiedler 1993, S 64) (Wolfgang Fenske, Die um Größe streitenden Jünger und das Kind (Mk 9,33-37) Auslegung mit einer 3.Klasse, S 45ff in: Man hat immer ein Stück Gott in sich mit Kindern biblische Geschichten deuten, Jahrbuch der Kindertheologie Teil 2: NT, Hg.v.G.Büttner u.M.Schreiner 2006)
In die Arme aufnehmen
|